Worum es im Risikomanagement geht
Risikomanagement legt fest, wie viel ein Trade, ein Tag oder eine Strategie höchstens kosten darf. Ziel ist, dass ein System mit positivem Erwartungswert nicht an einer Verlustserie scheitert, bevor sich der Vorteil zeigen kann. Der Grund ist mathematisch: Verluste und die nötige Erholung sind nicht symmetrisch. Nach 20 Prozent Verlust braucht ein Konto 25 Prozent Gewinn, um wieder auf dem alten Stand zu sein, nach 50 Prozent Verlust 100 Prozent. Der Recovery-Rechner zeigt diesen Zusammenhang für beliebige Werte.
Der Hub behandelt Risiko auf drei Ebenen: den einzelnen Trade mit Chance-Risiko-Verhältnis, Stop und Positionsgröße, die Strategie mit Drawdown, Risk of Ruin und Kelly-Kriterium sowie das Portfolio mit Value at Risk, Expected Shortfall, Stresstests und Risikobudgets. Dazu kommen Beiträge zu Strategien wie Merger- oder Volatilitäts-Arbitrage, deren Risikoprofil von seltenen, großen Verlusten geprägt ist.
Für wen die Artikel gedacht sind
Die Beiträge richten sich an Trader, die ihre Regeln für Positionsgröße, Stops und Verlustgrenzen schriftlich festlegen wollen, an Entwickler, die diese Regeln in einen Bot oder Expert Advisor einbauen, und an alle, die mehrere Strategien oder Konten gleichzeitig betreiben und das Risiko deshalb auf Portfolio-Ebene betrachten müssen. Wer über eine Prop-Firma handelt, muss zusätzlich deren Grenzen einhalten, etwa einen maximalen Tagesverlust. Die Artikel erklären Rechenwege und Methoden. Welche Risikohöhe zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab; die Beiträge sind keine Anlageberatung. Zum Nachrechnen eignen sich der Positionsgrößen-Rechner und der Kelly-Rechner.
Typische Fehler und Missverständnisse
- Feste Stückzahl statt festem Risiko. Wer immer dieselbe Lot-Größe handelt, riskiert je nach Stop-Abstand und Volatilität sehr unterschiedliche Beträge. Beim Fixed-Fractional-Ansatz ergibt sich die Positionsgröße dagegen aus dem Risikobetrag geteilt durch den Stop-Abstand (Position-Sizing-Modelle).
- Trefferquote ohne Gewinn-Verlust-Verhältnis. Eine hohe Trefferquote sagt allein nichts. Rechenbeispiel: 95 Prozent Gewinner mit je 1 Einheit und 5 Prozent Verlierer mit je 25 Einheiten ergeben einen Erwartungswert von minus 0,3 Einheiten pro Trade (CRV und Trefferquote).
- Der historische Maximal-Drawdown als Obergrenze. Der Backtest zeigt nur einen möglichen Verlauf. Dieselben Trades in anderer Reihenfolge können einen tieferen Drawdown ergeben; eine Monte-Carlo-Simulation zeigt die Bandbreite (Max-Drawdown via Monte-Carlo).
- Volles Kelly auf geschätzten Werten. Das Kelly-Kriterium setzt bekannte Gewinnwahrscheinlichkeiten und Auszahlungen voraus, im Trading sind beide geschätzt. Wer seinen Vorteil überschätzt, landet über dem Optimum, und dort sinkt das Wachstum wieder: In der stetigen Näherung fällt es beim doppelten Kelly-Anteil auf null (Kelly-Criterion im Trading).
- Gleiches Kapital heißt nicht gleiches Risiko. Hat eine Strategie die dreifache Volatilität der anderen, dominiert sie das Portfolio, auch wenn alle gleich viel Kapital bekommen. Hinzu kommt, dass Korrelationen in Stressphasen oft steigen.
Von der Rechnung zur Regel im System
Risikoregeln sind am verlässlichsten, wenn sie vor jeder Order technisch geprüft werden und nicht von der Tagesform abhängen. In einem automatisierten System heißt das: Die Positionsgröße wird vor jeder Order aus Kontostand, Risikoanteil und Stop-Abstand berechnet, Tages- und Gesamtverlustgrenzen sperren neue Orders, und ein Notaus greift unabhängig von der Strategie, wenn Grenzen überschritten werden oder Daten ausfallen. Wie das technisch aussieht, beschreibt der Hub Trading-Bots und Broker-APIs.
Für die Planung hilft die Kennzahl Risk of Ruin, also die Wahrscheinlichkeit, dass ein Konto eine festgelegte Verlustschwelle erreicht. Stop-Abstände lassen sich mit MAE und MFE aus den eigenen Trade-Daten prüfen, sollten aber nicht auf denselben Daten optimiert und bewertet werden. Wer mehrere Strategien betreibt, kann das Risiko statt des Kapitals aufteilen (Risk-Budgeting im Portfolio).
Einstieg in 5 Schritten
- CRV und Trefferquote: die Break-even-Rechnung: Die Grundrechnung zuerst: welche Trefferquote ein Chance-Risiko-Verhältnis braucht und wie Spread, Kommission und Slippage die Gewinnschwelle verschieben.
- Position-Sizing-Modelle vergleichen: Optimal-f, Kelly, Fixed-Ratio: Danach geht es um die Positionsgröße: Fixed-Fractional, Kelly, Optimal-f und Fixed-Ratio im Vergleich, mit Formeln und ihren praktischen Grenzen.
- MAE und MFE: Stops und Ziele aus Trade-Daten: Mit MAE und MFE prüfen Sie Stop-Abstände und Gewinnziele anhand Ihrer eigenen Trade-Daten statt nach Gefühl, einschließlich der Grenzen dieser Methode.
- Max-Drawdown via Monte-Carlo: was Sie wirklich aushalten müssen: Dieser Artikel zeigt, warum der Drawdown aus dem Backtest nur ein möglicher Verlauf ist und wie Monte-Carlo-Simulationen die Bandbreite sichtbar machen.
- Risk of Ruin berechnen: die wichtigste Kennzahl, die niemand benutzt: Zum Abschluss verbindet Risk of Ruin Trefferquote, Auszahlung und Risiko pro Trade zu der Frage, wie wahrscheinlich eine festgelegte Verlustschwelle erreicht wird.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent sollte ich pro Trade riskieren?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, und eine persönliche Empfehlung gibt es hier nicht; die Artikel sind keine Anlageberatung. Rechnerisch ergibt sich beim Fixed-Fractional-Ansatz der Risikobetrag aus Kontostand mal Prozentsatz und die Positionsgröße aus Risikobetrag geteilt durch Stop-Abstand. Welcher Prozentsatz tragbar ist, hängt davon ab, welchen Drawdown Sie aushalten können und wollen. Das lässt sich mit den Kennzahlen der Strategie durchrechnen, etwa per Monte-Carlo-Simulation oder Risk of Ruin.
Was ist der Unterschied zwischen Value at Risk und Expected Shortfall?
Der Value at Risk nennt einen Verlust, der über einen bestimmten Zeitraum mit einer gewählten Wahrscheinlichkeit, etwa 99 Prozent, nicht überschritten wird. Wie groß die Verluste in den verbleibenden 1 Prozent der Fälle ausfallen, sagt er nicht. Der Expected Shortfall, auch CVaR genannt, ist der durchschnittliche Verlust genau in diesen Fällen jenseits des VaR und beschreibt die Ränder der Verteilung deshalb besser. Beide Kennzahlen hängen von Daten und Modellannahmen ab.
Ist das Kelly-Kriterium für Trader praxistauglich?
Als Orientierung ja, als feste Vorgabe nur eingeschränkt. Kelly maximiert das langfristige Wachstum, wenn Gewinnwahrscheinlichkeit und Auszahlung bekannt sind. Im Trading sind beide Werte geschätzt, und wer seinen Vorteil überschätzt, setzt zu viel ein. Volles Kelly bringt zudem tiefe Zwischenverluste mit sich. Verbreitet ist deshalb ein Bruchteil wie halbes Kelly, oder der Kelly-Wert dient als Obergrenze statt als Zielgröße.
Warum reicht der maximale Drawdown aus dem Backtest nicht zur Planung?
Der Backtest zeigt nur einen einzigen Verlauf. Dieselben Trades in anderer Reihenfolge können einen deutlich tieferen Drawdown ergeben, obwohl die Summe gleich bleibt. Eine Monte-Carlo-Simulation oder ein Bootstrap erzeugt viele mögliche Verläufe und zeigt die Verteilung der Drawdowns, etwa den Median und ein hohes Perzentil. Dazu kommt, dass künftige Marktphasen ungünstiger sein können als alles, was im Testzeitraum vorkam.
Braucht jede Strategie einen Stop-Loss?
Nicht unbedingt auf Ebene des einzelnen Trades. Ein Stop begrenzt große Einzelverluste, bei Kurslücken allerdings nicht verlässlich, und er kostet bei Trades, die sich nach einem Rücksetzer erholt hätten. Bei manchen Mean-Reversion-Strategien oder Optionsspreads mit begrenztem Maximalverlust erfolgt die Risikokontrolle deshalb eher über Positionsgröße oder Zeit-Stops. Eine Grenze für Tag, Konto und System, etwa ein Tagesverlustlimit mit Notaus, braucht dagegen jedes automatisierte System.