Slippage
Differenz zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungspreis.
Slippage entsteht, wenn der Markt sich zwischen Order-Signal und Ausführung bewegt — oder die Order in mehrere Levels läuft. Bei Marktorders und großen Volumen oft erheblich.
Quellen: Latenz (Signal → Server → Börse → Bestätigung), Spread (Bid/Ask), Liquiditäts-Tiefe (Walking the book), Market-Impact (große Orders bewegen den Preis selbst). Bei systematischen Strategien: realistische Slippage-Annahme in Backtests setzen — oft macht sie 10–30 % einer Strategie-Rendite aus.
Genaue Definition
Slippage ist die Differenz zwischen dem Preis, mit dem eine Strategie bei ihrer Entscheidung rechnet (Referenzpreis), und dem tatsächlichen Ausführungspreis, gemessen in Handelsrichtung. Für einen Kauf gilt Slippage = Ausführungspreis − Referenzpreis, für einen Verkauf Slippage = Referenzpreis − Ausführungspreis; ein positiver Wert ist ein Nachteil. Sie kann auch negativ sein, wenn sich der Kurs kurz zugunsten der Order bewegt. Als Referenz dient je nach Zweck der Kurs zum Signalzeitpunkt, der Mittelkurs oder der Preis, mit dem der Backtest gerechnet hat. Misst man gegen den Mittelkurs, steckt der halbe Spread mit in der Zahl; das Messverfahren sollte deshalb festgelegt sein, bevor Live- und Backtest-Werte verglichen werden. In der Literatur zur Orderausführung heißt die gesamte Differenz zwischen Entscheidungspreis und tatsächlichem Ergebnis, einschließlich nicht ausgeführter Teile einer Order, Implementation Shortfall (nach André Perold).
Rechenbeispiel
Rechenbeispiel: Ein Kaufsignal entsteht bei 100,00 €, ausgeführt werden 200 Stück zu durchschnittlich 100,05 €. Die Slippage beträgt 0,05 € je Stück, insgesamt 10 €, relativ 0,05 / 100 = 0,05 % oder 5 Basispunkte. Für einen Verkauf zu 99,96 € bei einem Referenzpreis von 100,00 € ergibt die Formel 100,00 − 99,96 = 0,04 €, ebenfalls ein Nachteil. Fallen beim Ein- und beim Ausstieg jeweils 5 Basispunkte an und wird bei jedem Trade das gesamte Kapital eingesetzt, kosten 100 Round Trips im Jahr 100 × 2 × 5 = 1.000 Basispunkte, also rund 10 % des Kapitals (einfach addiert; verkettet gerechnet 1 − 0,9995^200 ≈ 9,5 %), noch ohne Spread und Gebühren. Die Kosten wachsen linear mit der Handelsfrequenz. Deshalb trifft Slippage vor allem Strategien, die häufig handeln und pro Trade wenig verdienen.
Umsetzung im Code und typischer Fehler
Im Backtest wird Slippage immer gegen die Handelsrichtung angesetzt: Käufe werden teurer, Verkäufe billiger gefüllt, beim Einstieg wie beim Ausstieg. Für Stop-Orders reicht ein fester Aufschlag nicht. Eröffnet der Markt unterhalb des Stops einer Long-Position, ist der realistische Füllpreis höchstens der Eröffnungskurs: fill = min(stop, open) - slippage. Ein typischer Fehler im Bot-Backtest ist, Stops immer exakt zum Stop-Kurs auszuführen; bei Kurslücken über Nacht oder nach Nachrichten wird der Verlust dann systematisch zu klein ausgewiesen. Statt eines festen Werts lässt sich die Slippage an Spread oder Schwankung koppeln, etwa als Bruchteil der durchschnittlichen Kerzenspanne (ATR); für größere Orders kommen Modelle hinzu, bei denen die Kosten mit dem Anteil am Handelsvolumen steigen. Der Gegenfehler betrifft Limit-Orders: Sie gelten oft schon als ausgeführt, wenn der Kurs das Limit nur berührt. Vorsichtiger ist, eine Ausführung erst anzunehmen, wenn der Kurs das Limit durchschritten hat (siehe Limit Order).
Im Live-Betrieb sollte jede Order Referenzpreis, Zeitstempel und Ausführungspreis protokollieren. In MQL5 liefert die Deal-Eigenschaft DEAL_PRICE den Ausführungspreis, bei Interactive Brokers die Ausführungsmeldung execDetails. Aus diesem Protokoll lässt sich die tatsächliche Slippage je Markt und Uhrzeit bestimmen und mit der Backtest-Annahme vergleichen. Ein Backtest mit doppelten und vierfachen Kostenannahmen zeigt, wie empfindlich die Strategie reagiert (Artikel: Slippage, Spread & Kommissionen).
Grenzen und Missverständnisse
Ein fester Slippage-Wert pro Trade ist eine Vereinfachung. Tatsächlich hängt Slippage von Volatilität, Tageszeit, Ordertyp und Ordergröße im Verhältnis zur Markttiefe ab (siehe Orderbuch). Welchen Anteil sie am Ergebnis einer Strategie hat, unterscheidet sich deshalb stark; eine allgemein gültige Zahl gibt es nicht. Auch gemessene Live-Werte sind nur eine Stichprobe aus bestimmten Marktphasen und Ordergrößen; sie können sich ändern, wenn die Positionen wachsen oder der Broker die Ausführung umstellt. Limit-Orders schließen Slippage auf den Preis aus, tragen dafür das Risiko, nicht oder nur teilweise ausgeführt zu werden. Verwandt: Marktorder, Stop-Loss, Backtest.
Hinweis: Dieser Glossar-Eintrag ist KI-gestützt entstanden. Marcel Gautsche verantwortet Inhalt und Auswahl redaktionell. Ihnen ist ein Fehler aufgefallen? Schreiben Sie an info@marcelgautsche.de.
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