Quant-Glossar

HFT

High-Frequency Trading — Trading im Mikrosekunden- bis Millisekundenbereich.

HFT nutzt extrem niedrige Latenz und massive Datenverarbeitung, um Tausende Trades pro Sekunde durchzuführen — meist Market-Making, statistische Arbitrage oder Latenz-Arbitrage zwischen Börsen.

Voraussetzungen: Co-Location bei der Börse, FPGAs/Kernel-Bypass, optimierter C++/Rust-Code, FIX-Protokoll. HFT macht heute geschätzt 50 % des US-Aktienvolumens aus. Für Retail-Trader ist HFT nicht zugänglich — aber das Verständnis von HFT-Mikrostruktur (Orderbuch-Dynamik, Iceberg-Orders, Adverse Selection) hilft jedem aktiven Trader.

Genaue Definition

Hochfrequenzhandel ist eine Form des algorithmischen Handels, bei der der Vorteil aus Geschwindigkeit und sehr vielen kleinen Geschäften entsteht, nicht aus Prognosen über Tage. In der EU ist der Begriff rechtlich definiert. Die Finanzmarktrichtlinie MiFID II (Art. 4 Abs. 1 Nr. 40 RL 2014/65/EU) nennt drei Merkmale, die zusammen vorliegen müssen: eine Infrastruktur zur Minimierung von Latenzen (Co-Location, Proximity Hosting oder direkter elektronischer Hochgeschwindigkeitszugang), Orderentscheidungen des Systems ohne menschliches Eingreifen und ein hohes untertägiges Mitteilungsaufkommen aus Orders, Kursangaben und Stornierungen. Als hoch gilt nach Art. 19 der Delegierten Verordnung (EU) 2017/565 im Tagesdurchschnitt ein Aufkommen von mindestens 2 Mitteilungen pro Sekunde in einem einzelnen Instrument oder mindestens 4 pro Sekunde über alle Instrumente eines Handelsplatzes; gezählt werden vor allem Mitteilungen für eigene Rechnung in Instrumenten mit liquidem Markt. Für HFT gilt die Ausnahme für den Handel auf eigene Rechnung nicht (Art. 2 Abs. 1 Buchst. d MiFID II). Wer HFT betreibt, braucht deshalb in der Regel eine Erlaubnis und muss besondere Organisationspflichten erfüllen. Das ist eine allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung.

Rechenbeispiele

Rechenbeispiel Mitteilungen: Der fortlaufende Handel der regulären Xetra-Sitzung läuft von 9:00 bis 17:30 Uhr, also 8,5 Stunden oder 30.600 Sekunden. Die Schwelle von 2 Mitteilungen pro Sekunde entspricht damit 61.200 Orders, Änderungen und Stornierungen an einem Tag in einem Instrument. Ein Bot, der seine Limit Order jede Sekunde storniert und neu einstellt, erreicht diesen Wert bereits. Die Schwelle allein macht noch keinen Hochfrequenzhandel; alle drei Merkmale müssen zusammenkommen.

Rechenbeispiel Laufzeit: Licht breitet sich in Glasfaser bei einem Brechungsindex von rund 1,47 mit etwa 300.000 / 1,47 ≈ 204.000 km/s aus, also mit rund 5 Mikrosekunden pro Kilometer. Eine 100 km lange Leitung kostet damit etwa 0,5 ms pro Richtung und 1 ms hin und zurück, bevor ein einziger Rechenschritt erfolgt. Durch die Luft sind es rund 3,3 µs pro Kilometer. Deshalb zählen im HFT Standort und Leitungsweg oft mehr als die Rechenleistung, und zwischen großen Handelsplätzen werden auch Richtfunkstrecken genutzt.

Umsetzung im Backtest und typischer Fehler

Strategien auf Tick- oder Orderbuchdaten brauchen ein Latenzmodell: Ein Signal zum Zeitpunkt t erreicht die Börse frühestens bei t plus Latenz und wird gegen den Orderbuchzustand dieses Moments ausgeführt. Der typische Fehler ist ein Backtest ohne Latenz, der zum selben Tick füllt, der das Signal ausgelöst hat. Gerade bei Reaktionen auf schnelle Kursbewegungen ist dieser Preis live meist schon vergeben. Der zweite Fehler betrifft passive Orders: Eine neue Limit Order steht in der Warteschlange hinter allen Orders, die bereits auf diesem Preisniveau liegen. Wer sie im Backtest sofort an die Spitze setzt, überschätzt die Zahl der Ausführungen. Auch Bots, die kein HFT betreiben, sollten ihre Nachrichtenrate begrenzen. Börsen verlangen ein angemessenes Verhältnis von Orders zu Ausführungen (§ 26a Börsengesetz), und Orders, die gestellt und sofort wieder storniert werden, können nach Art. 12 der Marktmissbrauchsverordnung als Manipulation gelten, wenn sie den Markt stören oder irreführen (Artikel: Marktmanipulation durch Trading-Bots).

Grenzen und Missverständnisse

HFT ist nicht dasselbe wie algorithmischer Handel. Die meisten automatisierten Strategien halten Positionen Minuten bis Wochen und brauchen keine Mikrosekunden (Artikel: Latency-Optimierung im Algo-Trading). Angaben zum HFT-Anteil am Handelsvolumen sind Schätzungen, die je nach Definition, Markt und Quelle deutlich auseinanderliegen. Ein schneller Server macht aus einer Strategie ohne Vorteil keine profitable; im HFT sind die Erträge je Geschäft klein, Gebühren und Infrastrukturkosten entscheiden mit. Verwandt: Market Maker, Orderbuch, FIX-Protokoll.

Hinweis: Dieser Glossar-Eintrag ist KI-gestützt entstanden. Marcel Gautsche verantwortet Inhalt und Auswahl redaktionell. Ihnen ist ein Fehler aufgefallen? Schreiben Sie an info@marcelgautsche.de.

Sie wollen das Konzept in der Praxis sehen?

Zu den interaktiven Tools