Marktorder
Order zur sofortigen Ausführung zum aktuellen Marktpreis.
Eine Marktorder (Market Order) wird sofort zum besten verfügbaren Preis ausgeführt — ohne Limit-Schutz.
Vorteil: garantierte Ausführung. Nachteil: keine Preisgarantie, Slippage möglich (besonders bei dünner Liquidität, Eröffnung, News). Marktorders gehören in Notfälle (Stop-Auslösung, Schließen einer Verlustposition), nicht in normale Einstiege. Wer regelmäßig Marktorders nutzt, zahlt unnötig viel an Market Maker.
Genaue Definition
Eine Marktorder enthält Richtung und Menge, aber keinen Preis. Sie wird gegen die besten Gegenorders im Orderbuch ausgeführt: Ein Kauf trifft auf den Briefkurs (Ask), ein Verkauf auf den Geldkurs (Bid). Im deutschen Börsenhandel heißt der Kauf ohne Limit „billigst“, der Verkauf „bestens“. Reicht die Menge auf dem besten Preisniveau nicht, läuft die Order durch die folgenden Niveaus (Walking the Book), und aus mehreren Teilausführungen entsteht ein Durchschnittspreis. Tritt der Broker selbst als Gegenpartei auf, etwa bei CFDs, bestimmt sein Kurs die Ausführung, nicht ein öffentliches Orderbuch.
Berechnung und Rechenbeispiel
Der durchschnittliche Ausführungspreis ist der mengengewichtete Mittelwert der Teilausführungen: P̄ = Σ(pᵢ × qᵢ) / Σqᵢ. Die Kosten gegenüber dem Mittelkurs betragen beim Kauf (P̄ − Mid) / Mid, beim Verkauf (Mid − P̄) / Mid.
Rechenbeispiel: Das Buch zeigt einen Geldkurs von 20,00 € und auf der Verkaufsseite 300 Stück zu 20,02 €, 500 Stück zu 20,03 € und 1.000 Stück zu 20,05 €. Der Mittelkurs liegt bei 20,01 €. Eine Kauf-Marktorder über 600 Stück erhält 300 × 20,02 € = 6.006 € und 300 × 20,03 € = 6.009 €, zusammen 12.015 €. Der Durchschnittspreis beträgt 12.015 / 600 = 20,025 €, also 0,015 € über dem Mittelkurs: 0,015 / 20,01 ≈ 0,075 % oder 7,5 Basispunkte, insgesamt 9 €. Bei 1.200 Stück sind es 300 × 20,02 € + 500 × 20,03 € + 400 × 20,05 € = 24.041 €, im Durchschnitt rund 20,034 € oder 29 € mehr als zum Mittelkurs (rund 12 Basispunkte). Die doppelte Menge kostet hier also mehr als das Dreifache.
Umsetzung im Code und typischer Fehler
Im Backtest kauft eine Marktorder zum Ask und verkauft zum Bid; liegen nur Mittel- oder Schlusskurse vor, kommt mindestens der halbe Spread als Aufschlag hinzu. Ein typischer Fehler ist die Ausführung zum Schlusskurs genau der Kerze, aus der das Signal berechnet wurde. Das Signal steht erst nach Kerzenschluss fest; realistisch ist der Eröffnungskurs der nächsten Kerze zuzüglich Spread-Aufschlag und Slippage. Im Live-Betrieb wird eine Marktorder nach Ablehnung oder Zeitüberschreitung nicht blind wiederholt: Erst prüft der Bot anhand offener Positionen und Ausführungsberichte, ob die erste Order nicht doch ausgeführt wurde, sonst entsteht leicht eine doppelte Position. In MetaTrader 5 ist das Feld deviation (maximale Abweichung in Punkten) laut Dokumentation nur für Request- und Instant-Execution vorgesehen; bei Market- und Exchange-Execution ist es kein Preisschutz. Wer eine Obergrenze braucht, kann ein marktfähiges Limit mit IOC senden: Es wird sofort bis zum Limit ausgeführt, der Rest gelöscht. Bei Interactive Brokers trägt die Marktorder orderType = "MKT". Ein Protokoll mit Referenzpreis, Zeitstempel und Ausführungspreis je Order zeigt, wie hoch die Kosten live tatsächlich sind, und lässt sich mit der Annahme im Backtest vergleichen.
Grenzen und Missverständnisse
„Garantierte Ausführung“ gilt nur, solange es eine Gegenseite gibt und gehandelt wird. Bei Handelsunterbrechungen, etwa einer Volatilitätsunterbrechung auf Xetra, außerhalb der Handelszeiten oder in sehr dünnen Märkten kann eine Marktorder warten, abgelehnt oder weit vom zuletzt gesehenen Kurs ausgeführt werden. Eine ausgelöste Stop-Market-Order (siehe Stop-Loss) wird zur Marktorder und erbt diese Eigenschaften, bei Kurslücken auch die Ausführung jenseits des Stop-Kurses. Umgekehrt ist eine Marktorder nicht automatisch teuer: Ist sie kleiner als die Menge auf dem besten Preisniveau und bewegt sich der Kurs bis zur Ausführung nicht, kostet sie gegenüber dem Mittelkurs genau den halben Spread. Entscheidend ist das Verhältnis von Ordergröße zu Markttiefe. Mehr dazu in den Artikeln Slippage, Spread & Kommissionen und Market Impact: das Square-Root-Law. Verwandt: Limit Order.
Hinweis: Dieser Glossar-Eintrag ist KI-gestützt entstanden. Marcel Gautsche verantwortet Inhalt und Auswahl redaktionell. Ihnen ist ein Fehler aufgefallen? Schreiben Sie an info@marcelgautsche.de.
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