Quant-Glossar

Hebel

Verhältnis von Positionsgröße zu eingesetztem Eigenkapital.

Der Hebel (Leverage) vervielfacht den eingesetzten Kapitalbetrag: 10× Hebel auf 1.000 € Eigenkapital = 10.000 € Positionsgröße. Verfügbar über Futures, Optionen, CFDs, Margin-Konten und Krypto-Perpetuals.

Gewinne UND Verluste werden vervielfacht. Bei 10× Hebel reicht eine 10-%-Gegenbewegung für Totalverlust (Liquidation). Hebel ist kein „mehr Gewinn“-Werkzeug, sondern ein „mehr Risiko“-Werkzeug — er verkürzt nur den Abstand zum Margin Call. Profis nutzen Hebel sehr kontrolliert oder gar nicht.

Genaue Definition

Der effektive Hebel ist das Verhältnis aus dem Gesamtwert aller offenen Positionen und dem aktuellen Eigenkapital des Kontos: Hebel = Positionswert / Eigenkapital. Davon zu unterscheiden ist der maximal mögliche Hebel, den der Broker über die geforderte Margin festlegt; er ist der Kehrwert der Margin-Quote, 3,33 % Margin entsprechen also rund 30:1. Der maximal mögliche Hebel sagt nur, wie groß eine Position höchstens sein darf. Das tatsächliche Risiko bestimmt der genutzte, effektive Hebel. Bei Optionen ist der Positionswert nicht die gezahlte Prämie; dort beschreibt das Delta das Exposure gegenüber dem Basiswert.

Rechenbeispiel

Rechenbeispiel mit frei gewählten Werten: 2.000 € Eigenkapital, eine Long-Position im Gegenwert von 20.000 €, also Hebel 10. Eine Gegenbewegung von 2 % kostet 20.000 × 0,02 = 400 €, das sind 20 % des Eigenkapitals. Danach ist die Position noch 19.600 € wert, das Eigenkapital beträgt 1.600 €. Der effektive Hebel ist auf 19.600 / 1.600 = 12,25 gestiegen, ohne dass eine neue Order aufgegeben wurde. Verluste erhöhen also den Hebel, Gewinne senken ihn.

Gleicher Hebel heißt nicht gleiches Risiko, denn die Schwankung des Basiswerts kommt hinzu. Rechenbeispiel mit angenommenen Tagesschwankungen: Hebel 5 auf einen Basiswert mit 0,5 % Tagesschwankung ergibt 5 × 0,5 % = 2,5 % Schwankung des Eigenkapitals je Tag, Hebel 2 auf einen Basiswert mit 4 % dagegen 2 × 4 % = 8 %.

Der Abstand bis zur Liquidation ist außerdem kleiner als 1 / Hebel, weil Broker und Börsen eine Wartungsmarge verlangen: näherungsweise Abstand ≈ 1 / Hebel − Wartungsmarge. Bei 10× und 0,5 % Wartungsmarge sind das rund 9,5 % statt 10 %; Gebühren und Finanzierungskosten verkürzen ihn weiter.

Umsetzung in Code und Backtest

Im Code wird der Hebel aus dem Nominalwert berechnet, nicht aus der Stückzahl: Kontraktgröße, Wert je Punkt und Währungsumrechnung gehören dazu. Die Kontraktgröße eines Lots legt der Broker je Symbol fest (in MQL5 abrufbar über SYMBOL_TRADE_CONTRACT_SIZE); bei Devisenpaaren sind 100.000 Einheiten der Basiswährung üblich. Ein typischer Fehler im Backtest ist ein fester Hebel auf das Startkapital: Die Positionen werden einmal mit „10 × Startkapital“ angelegt und nicht an das laufende Eigenkapital angepasst. Nach Verlusten liegt der tatsächliche Hebel dann deutlich höher als geplant, wie das Rechenbeispiel zeigt. Sauber ist eine Prüfung vor jeder Order, die den effektiven Hebel aus aktuellem Eigenkapital und allen offenen Positionen berechnet und Orders oberhalb einer festen Grenze ablehnt. Auch Finanzierungskosten wie Overnight-Zinsen oder die Funding Rate bei Perpetual Futures gehören in den Backtest.

Grenzen und Missverständnisse

Hebel verbessert keine Strategie: Ein negativer Erwartungswert bleibt negativ, ein positiver wird vervielfacht, die Schwankung aber ebenso, und Finanzierungskosten kommen hinzu. Weil Verluste prozentual schwerer wiegen als Gewinne (nach −50 % braucht es +100 %, um aufzuholen), kann mehr Hebel das langfristige Wachstum sogar senken; das Kelly-Kriterium beschreibt diesen Zusammenhang mathematisch. Bei Produkten mit täglich zurückgesetztem Hebel wird der Effekt direkt sichtbar. Rechenbeispiel: Ein Basiswert steigt um 10 % und fällt dann um 10 %, er steht bei 1,1 × 0,9 = 0,99. Ein Produkt mit täglich doppeltem Hebel steht bei 1,2 × 0,8 = 0,96, hat also viermal so viel verloren. Für CFDs an Privatkunden begrenzen in der EU Aufsichtsregeln den Hebel je nach Basiswert (Einzelheiten unter Margin Call; allgemeine Information, keine Rechtsberatung). Durchrechnen lässt sich das im Hebel- und Liquidations-Rechner; Vertiefung im Artikel Risk-Management mit System: Position-Sizing in der Praxis.

Hinweis: Dieser Glossar-Eintrag ist KI-gestützt entstanden. Marcel Gautsche verantwortet Inhalt und Auswahl redaktionell. Ihnen ist ein Fehler aufgefallen? Schreiben Sie an info@marcelgautsche.de.

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