Quant-Glossar

Margin Call

Aufforderung des Brokers, weitere Sicherheiten nachzuschießen.

Ein Margin Call wird ausgelöst, wenn das Eigenkapital in einer gehebelten Position unter die Wartungsmarge des Brokers fällt. Wird nicht nachgeschossen, schließt der Broker die Position zwangsweise (Liquidation).

Bei US-Brokern üblich: erst Warnung, dann Zwangsverkauf. Bei Krypto-Perpetuals erfolgt die Liquidation oft sofort und automatisch ohne Vorwarnung. Wer Hebel handelt, sollte den Margin-Puffer immer kennen und vor heißen Marktphasen großzügig reduzieren.

Genaue Definition

Bei gehebelten Positionen gibt es zwei Schwellen. Die Initial-Margin ist die Sicherheit, die beim Eröffnen vorhanden sein muss. Die Wartungsmarge (Maintenance Margin) ist der Mindestbetrag, der danach ständig vorhanden sein muss; sie liegt meist niedriger. Maßgeblich ist das Eigenkapital des Kontos einschließlich nicht realisierter Gewinne und Verluste. Fällt es unter die Wartungsmarge, folgt je nach Broker und Produkt eine Nachschussaufforderung mit Frist oder die sofortige Glattstellung. Der Begriff wird uneinheitlich verwendet: MetaTrader 5 etwa unterscheidet die Warnschwelle „Margin Call“ von der Zwangsschließung „Stop Out“.

Berechnung und Rechenbeispiel

Beim kreditfinanzierten Wertpapierkauf droht ein Margin Call, sobald (Positionswert − Kredit) / Positionswert unter die Wartungsmarge m fällt. Der kritische Positionswert ist Kredit / (1 − m).

Rechenbeispiel mit frei gewählten Werten: 10.000 € Eigenkapital, Aktienkauf für 20.000 €, also 10.000 € Kredit, Wartungsmarge 25 %. Kritisch wird es bei 10.000 / 0,75 ≈ 13.333 € Positionswert, also nach einem Kursrückgang von rund 33 %. Bei CFDs ist der Spielraum deutlich kleiner: Eine Position im Gegenwert von 30.000 € erfordert bei 3,33 % Initial-Margin rund 1.000 €. Liegen genau diese 1.000 € auf dem Konto, wird nach der unten beschriebenen 50-%-Regel spätestens bei 500 € Kontowert geschlossen, also schon nach einer Gegenbewegung von 500 / 30.000 ≈ 1,7 % vor Spread und Kosten.

Regeln für CFDs in der EU

Für CFDs an Privatkunden schreibt in Deutschland die Allgemeinverfügung der BaFin vom 23.07.2019, die der Produktintervention der ESMA folgt, Mindest-Margins vor, etwa 3,33 % bei großen Währungspaaren und 50 % bei Kryptowährungen. Der Anbieter muss offene CFDs schließen, sobald Kontoguthaben und unrealisierte Nettogewinne unter die Hälfte der geforderten Initial-Margin fallen, und einen Negativsaldoschutz gewähren. Außerhalb dieses Schutzes können Verluste das eingezahlte Kapital übersteigen, etwa wenn eine Zwangsschließung nach einer Kurslücke erst deutlich schlechter gelingt. Das ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung; maßgeblich sind die aktuellen Vorgaben der Aufsicht und die Bedingungen des Brokers.

Umsetzung in Code und Backtest

Ein Trading-Bot sollte die Margin-Lage selbst überwachen, statt auf eine Meldung des Brokers zu warten. In MQL5 liefern ACCOUNT_MARGIN_LEVEL sowie die Schwellen ACCOUNT_MARGIN_SO_CALL und ACCOUNT_MARGIN_SO_SO die nötigen Werte, bei der API von Interactive Brokers etwa ExcessLiquidity und MaintMarginReq aus der Kontoübersicht. Interactive Brokers stellt nach eigener Darstellung grundsätzlich keine Margin Calls, sondern liquidiert bei einer Unterdeckung in Echtzeit. Ein eigener Puffer mit Warn- und Abbaustufe im Bot ist deshalb sinnvoll (Kill-Switch für Trading-Bots).

Ein typischer Fehler im Backtest: Die Margin wird gar nicht oder nur zu Schlusskursen geprüft. Eine Long-Position kann im Tagesverlauf liquidiert werden, auch wenn der Schlusskurs wieder darüber liegt; geprüft werden muss deshalb gegen den ungünstigsten Kurs der Periode. Oft fehlt auch, dass Broker und Börsen ihre Margin-Anforderungen in unruhigen Phasen erhöhen können. Ein Backtest, der mit voller Position durch eine solche Phase läuft, zeigt einen Verlauf, den es so nicht gegeben hätte.

Grenzen und Missverständnisse

Die Zwangsschließung ist kein Stop-Loss: Sie erfolgt, wenn es für den Broker nötig ist, nicht zu einem vorher geplanten Kurs, und häufig in Phasen mit breiten Spreads. Mehr Abstand zur Wartungsmarge entsteht vor allem durch geringeren Hebel. Wie schnell der Puffer schrumpft, zeigen der Hebel- und Liquidations-Rechner und das Margin-Call-Spiel. Verwandt sind Perpetual Futures und die Funding Rate.

Hinweis: Dieser Glossar-Eintrag ist KI-gestützt entstanden. Marcel Gautsche verantwortet Inhalt und Auswahl redaktionell. Ihnen ist ein Fehler aufgefallen? Schreiben Sie an info@marcelgautsche.de.

Sie wollen das Konzept in der Praxis sehen?

Zu den interaktiven Tools