Percentage Price Oscillator: MACD's prozentualer Vetter.
Der PPO ist der ungeliebte kleine Bruder des MACD: gleiche Logik, andere Skala. Trotzdem ist er für eine ganz bestimmte Anwendung dem MACD klar überlegen — und für die meisten anderen praktisch identisch. Hier ist die ehrliche Bewertung, wann sich der Wechsel lohnt.
Wenn ein Mandant mich fragt: „Sollte ich PPO oder MACD nutzen?", lautet meine Antwort fast immer mit einer Gegenfrage: „Vergleichen Sie Assets unterschiedlicher Preishöhe miteinander?" Davon hängt es ab. In diesem Artikel zeige ich, warum.
Was PPO und MACD trennt — und was sie verbindet.
Der MACD berechnet die Differenz zweier exponentieller Moving Averages, klassisch EMA(12) und EMA(26), als absolute Zahl. Der PPO macht dasselbe, drückt das Ergebnis aber als prozentuale Differenz aus, normiert auf den langsamen EMA:
- MACD = EMA(12) − EMA(26)
- PPO = (EMA(12) − EMA(26)) / EMA(26) × 100
- Signal-Linie (beide): EMA(9) des Oszillator-Werts
- Histogramm (beide): Oszillator − Signal-Linie
Mathematisch ist der PPO also nur eine Skalierung des MACD. Die Signal-Logik (Crossovers, Histogramm-Wechsel, Divergenzen) ist identisch — gleicher Zeitpunkt, gleiche Richtung. Wer denkt, der PPO würde grundlegend andere Signale geben, hat die Formel nicht durchgerechnet.
Warum die Skalierung trotzdem entscheidend ist.
Hier wird es interessant. Stellen Sie sich vor, Sie wollen die Momentum-Stärke zweier Aktien vergleichen: eine bei 5 Euro, eine bei 500 Euro. Beide steigen prozentual gleich stark. Was zeigt der MACD?
- Aktie A (Kurs 5): MACD-Wert vielleicht 0,03 — fast unsichtbar.
- Aktie B (Kurs 500): MACD-Wert vielleicht 3,0 — scheinbar massiv stärker.
- PPO beider Aktien: nahezu identisch — weil prozentual normiert.
Der MACD ist preisabhängig und damit ungeeignet, sobald man Assets mit unterschiedlichen absoluten Preisen vergleicht. Genau hier spielt der PPO seine einzige, aber wesentliche Stärke aus. Für jedes Setup, das ein Ranking oder Screening über mehrere Instrumente verlangt, ist der PPO die richtige Wahl.
Wo PPO konkret den Unterschied macht.
Ich nutze PPO im Mandanten-Kontext praktisch nur in zwei Anwendungen. Beide haben damit zu tun, dass ich über viele Instrumente sortiere oder filtere:
- Aktien-Screening: Aus einem Universum von 500 Aktien die Top 20 mit dem stärksten PPO-Wert herausfiltern. Mit MACD bekäme man systematisch hochpreisige Aktien — was eine sinnlose Verzerrung wäre.
- Sektor-Rotation: ETFs verschiedener Sektoren (Tech, Energy, Healthcare) nach PPO ranken, um Momentum-Leader zu identifizieren. ETF-Preise sind nicht vergleichbar — PPO macht sie es.
Für Single-Asset-Trading auf einem festen Instrument ist der Unterschied zwischen PPO und MACD irrelevant. Die Signale fallen zeitgleich aus, die Crossover sind dieselben. Hier kann man bleiben, wo man ist.
Konkretes Setup: PPO-basiertes Aktien-Ranking.
Hier ein schlankes Setup, das ich für einen Mandanten als Baustein für ein Long-Only-Momentum-Portfolio gebaut habe. Universum: S&P 500. Rebalancing monatlich. Halten der Top-N nach PPO.
# PPO-Ranking auf S&P-500-Universum import yfinance as yf import numpy as np import pandas as pd def ppo(series, fast=12, slow=26): ema_f = series.ewm(span=fast, adjust=False).mean() ema_s = series.ewm(span=slow, adjust=False).mean() return (ema_f - ema_s) / ema_s * 100 # Annahme: 'prices' = DataFrame mit Spalten = Tickers, Zeilen = Tagesdaten ppo_values = prices.apply(lambda s: ppo(s)) # Monatlich Top-20 nach PPO selektieren month_end = ppo_values.resample("M").last() top20 = month_end.apply(lambda row: row.nlargest(20).index.tolist(), axis=1) # Gleichgewichtete Allokation auf Top-20, monatliches Rebalancing
Bei Backtests über 20 Jahre liefert dieses simple Setup einen Sharpe um 0,7 und schlägt den Index in der überwiegenden Mehrheit der Jahre — nicht spektakulär, aber robust. Wichtig: ohne Transaktionskosten-Berücksichtigung wäre das Ergebnis irreführend; Monatsumschichtungen kosten messbar.
Was am PPO überschätzt wird.
Vereinzelt liest man, der PPO sei „präziser" oder „weniger fehleranfällig" als der MACD. Das ist Marketing. Die Signal-Logik ist identisch — ein PPO-Crossover und ein MACD-Crossover passieren am selben Tag, am selben Bar. Wer auf einem einzelnen Asset handelt, bekommt mit beiden dieselben Trades.
Ebenfalls überschätzt: die Interpretation absoluter PPO-Werte. „PPO über 2 ist Übertreibung" liest man häufig. In meinen Tests über breite Aktienuniverse ist die Verteilung der PPO-Werte zu instrumenten-spezifisch, um universelle Schwellen anzuwenden. Eine wachstumsstarke Aktie kann monatelang bei PPO über 3 stehen, ohne zu drehen.
Mein Fazit zum PPO.
Der PPO ist genau dann das richtige Werkzeug, wenn Sie über mehrere Instrumente vergleichen oder ranken müssen. In allen anderen Fällen ist er einfach der MACD in anderer Verpackung — keine Verbesserung, keine Verschlechterung. Wer ein Momentum-Screening über Aktien oder Sektoren baut, sollte den PPO verwenden. Wer auf einem festen Asset handelt, kann beim MACD bleiben.
Diese pragmatische Einordnung fehlt in den meisten Indikator-Lehrbüchern. Sie wollen den PPO nicht für Single-Asset-Crossovers, sondern für Cross-Sectional-Ranking. Das ist sein Einsatzgebiet.
Sie wollen ein Momentum- oder Ranking-Setup über mehrere Instrumente sauber bauen? Erstgespräch buchen — wir entwerfen die Pipeline zusammen.