Drawdown
Prozentualer Rückgang vom letzten Hoch eines Kontos oder Wertpapiers.
Drawdown = (Hoch − aktueller Wert) / HochEin Drawdown misst, wie weit der Kontostand oder Kurs vom bisherigen Hoch zurückgefallen ist. Der Max-Drawdown ist die schlimmste solche Periode in einem Backtest oder Live-Lauf.
Drawdowns sind asymmetrisch: −50 % erfordern +100 % zur Erholung, −80 % bereits +400 %. Deshalb gilt: Drawdown-Begrenzung ist wichtiger als Renditemaximierung. Strategien mit niedrigerer Rendite aber kleinem Max-DD sind oft die langfristig überlegenen — und psychologisch handhabbar.
Genaue Definition und Berechnung
Für jeden Zeitpunkt t ist das laufende Hoch H(t) der höchste bisher erreichte Wert der Equity-Kurve E(t). Der Drawdown ist DD(t) = (H(t) − E(t)) / H(t), der Max-Drawdown das größte DD(t) im betrachteten Zeitraum. Daneben zählt die Dauer: die Zeit vom alten Hoch bis zum ersten neuen Hoch (Time under Water). Die nötige Gegenbewegung, um einen Drawdown DD auszugleichen, beträgt Recovery = 1 / (1 − DD) − 1. Daraus folgen die oben genannten Werte: Bei 50 % sind es 1 / 0,5 − 1 = 100 %, bei 80 % 1 / 0,2 − 1 = 400 %.
Der Drawdown lässt sich in Währung (absolut) oder in Prozent (relativ) angeben. Beide Größen können ihr Maximum an verschiedenen Stellen haben: Nach einem starken Anstieg kann ein Rückgang in Euro größer sein, obwohl er prozentual kleiner ausfällt. Weil der Max-Drawdown nur einen einzigen Punkt beschreibt, ergänzen Kennzahlen wie der durchschnittliche Drawdown oder der Ulcer Index (Wurzel aus dem Mittel der quadrierten Drawdowns) das Bild.
Rechenbeispiel
Rechenbeispiel: Ein Konto entwickelt sich so: 10.000 €, 12.000 €, 9.000 €, 11.000 €, 13.000 €, 10.400 €. Beim Stand von 9.000 € liegt das laufende Hoch bei 12.000 €, der Drawdown beträgt (12.000 − 9.000) / 12.000 = 25 %. Beim Stand von 10.400 € ist das Hoch 13.000 €, der Drawdown (13.000 − 10.400) / 13.000 = 20 %. Der Max-Drawdown ist 25 %. Um von 9.000 € wieder auf 12.000 € zu kommen, braucht es 1 / 0,75 − 1 ≈ 33,3 % Zuwachs, nicht 25 %. Die Time under Water reicht vom zweiten bis zum fünften Messpunkt; mit dem sechsten beginnt eine neue, noch nicht beendete Phase.
Umsetzung im Code und typischer Fehler
In Python genügen drei Zeilen: hoch = equity.cummax(), dd = 1 - equity / hoch, max_dd = dd.max(). Die Dauer folgt aus derselben Reihe: Jeder Zeitpunkt mit dd > 0 liegt unter Wasser, die längste zusammenhängende Phase ist die maximale Time under Water. Entscheidend ist, welche Reihe als equity dient. Der typische Fehler: Der Drawdown wird nur aus dem Kontostand nach geschlossenen Trades berechnet. Zwischenzeitliche Buchverluste offener Positionen fehlen dann, und der ausgewiesene Drawdown ist kleiner als der tatsächlich erlebte. Der MT5-Strategietester weist deshalb Balance-Drawdown und Equity-Drawdown getrennt aus; für die Risikobewertung ist der Equity-Drawdown die ehrlichere Zahl. Ähnlich wirkt eine zu grobe Auflösung: Wer nur Tagesschlusskurse auswertet, übersieht Tiefpunkte innerhalb des Tages, an denen etwa ein Margin-Call ausgelöst worden wäre. Ein weiterer Fehler ist, prozentuale Einzelrenditen zu addieren, statt sie zu verketten: Auf −10 % und +10 % folgt nicht 0 %, sondern 0,9 × 1,1 − 1 = −1 %.
Grenzen und Missverständnisse
Der historische Max-Drawdown beschreibt einen einzigen beobachteten Verlauf. Künftige Drawdowns können größer ausfallen, schon weil dieselben Trades in anderer Reihenfolge einen tieferen Einbruch ergeben können. Außerdem wächst der zu erwartende Max-Drawdown mit der Länge des Zeitraums: Ein Backtest über drei Jahre und einer über fünfzehn Jahre lassen sich an dieser Zahl nicht direkt vergleichen. Auch über die Ursache sagt die Zahl nichts: Ein einzelner großer Verlust und eine lange Serie kleiner Verluste können denselben Drawdown ergeben, verlangen aber unterschiedliche Schlüsse. Eine Monte-Carlo-Simulation mit neu gezogener Reihenfolge zeigt die Bandbreite, siehe den Artikel Max-Drawdown via Monte-Carlo und den Monte-Carlo-Simulator. Wie stark die Positionsgröße den Drawdown steuert, beschreibt der Eintrag Positionsgröße. Verwandte Kennzahlen: Calmar Ratio, Risk of Ruin.
Hinweis: Dieser Glossar-Eintrag ist KI-gestützt entstanden. Marcel Gautsche verantwortet Inhalt und Auswahl redaktionell. Ihnen ist ein Fehler aufgefallen? Schreiben Sie an info@marcelgautsche.de.
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