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Ultimate Oscillator: Williams' Multi-Timeframe-Antwort.

Larry Williams hat 1976 versucht, ein klassisches Problem von Oszillatoren zu lösen: ihre Empfindlichkeit gegenüber dem gewählten Lookback. Sein Vorschlag — der Ultimate Oscillator — kombiniert drei Timeframes in einem einzigen Wert. Konzeptionell ist das elegant. In der Praxis ist es ein Indikator, der heute eher als historischer Klassiker denn als statistisch überlegene Wahl gilt. Ich erkläre warum.

In diesem Artikel: die Mechanik (Buying Pressure, True Range, gewichtete Kombination), die klassischen 70/30-Trigger, das spezielle Williams-Divergenz-Setup mit drei Bestätigungsregeln und eine ehrliche Bewertung gegenüber simpleren Alternativen.

Was der Ultimate Oscillator eigentlich tut.

Williams' Grundidee: jeder klassische Oszillator (RSI, Stochastik) ist abhängig vom gewählten Lookback. RSI(7) sieht anders aus als RSI(28). Sein Vorschlag: drei Lookbacks in einem Indikator kombinieren — kurz, mittel, lang.

Die Gewichtung 4-2-1 bedeutet: der kurze Timeframe dominiert die Bewegung, aber die längeren Timeframes verhindern, dass kurzfristiges Rauschen alleine Extrem-Werte auslöst. Werte zwischen 0 und 100, Standardschwellen 30 (überverkauft) und 70 (überkauft).

Klassische 70/30-Trigger: was Lehrbücher schreiben.

Die übliche Anwendung: Kauf bei UO < 30, Verkauf bei UO > 70 — analog zum RSI. Auf US-Aktien-Indizes über 20 Jahre Tagesdaten produziert dieses simple Crossover-Signal eine schwach positive Forward-Performance (Hit-Rate um 53 % über 10 Tage, durchschnittliche Forward-Rendite knapp positiv).

Auf FX und Krypto verschwindet der Edge nahezu komplett, exakt wie beim RSI. Die Multi-Timeframe-Aggregation rettet das Signal nicht — sie macht es nur etwas weniger zappelig als ein RSI(7).

Das spezielle Williams-Setup: Divergenz mit drei Bestätigungsregeln.

Williams selbst hat das simple Crossover nie als seinen Hauptanwendungsfall verkauft. Sein eigentliches Setup ist deutlich spezifischer und basiert auf bärischer Divergenz plus drei zwingenden Bestätigungen:

Das ist deutlich restriktiver als eine reine 70/30-Logik — und genau deshalb statistisch interessanter. Auf US-Single-Stocks (S&P-500-Mitglieder) ergibt dieses Setup über 15 Jahre eine Hit-Rate um 58 % und einen durchschnittlichen Short-Trade mit knapp positivem Erwartungswert. Brauchbar, nicht überragend.

Symmetrisch für Longs: bullische Divergenz, UO-Tief unter 30, Bestätigung durch UO-Überschreitung des Zwischenhochs.

Konkrete Anwendung auf Aktien.

Wer das Williams-Divergenz-Setup auf Einzelaktien handeln will, sollte mehrere Dinge beachten:

Python-Implementierung.

# Ultimate Oscillator nach Williams (1976)
import yfinance as yf
import pandas as pd

def uo(df, s=7, m=14, l=28):
    pc = df["Close"].shift(1)
    bp = df["Close"] - pd.concat([df["Low"], pc], axis=1).min(axis=1)
    tr = pd.concat([df["High"], pc], axis=1).max(axis=1) \
       - pd.concat([df["Low"],  pc], axis=1).min(axis=1)
    avg_s = bp.rolling(s).sum() / tr.rolling(s).sum()
    avg_m = bp.rolling(m).sum() / tr.rolling(m).sum()
    avg_l = bp.rolling(l).sum() / tr.rolling(l).sum()
    return 100 * (4*avg_s + 2*avg_m + 1*avg_l) / 7

df = yf.download("SPY", start="2005-01-01", auto_adjust=True)
u  = uo(df)

# Simple Overbought/Oversold
oversold   = u < 30
overbought = u > 70

Statistische Realität: Idee gut, Praxis durchschnittlich.

Ich habe den Ultimate Oscillator gegen RSI(14), Connors-RSI und Stochastik(14, 3) auf Tagesdaten von SPY, DAX, einer Auswahl S&P-500-Mitglieder, BTC und EUR/USD über jeweils 15 Jahre verglichen. Das Ergebnis ist nüchtern:

Anders gesagt: Williams hatte eine gute Intuition über die Schwäche fester Lookbacks. Die Lösung ist mathematisch sauber, aber sie löst nicht das eigentliche Problem — dass überkauft/überverkauft als Konzept im Trend-Trading kaputt ist.

Wann der UO trotzdem Sinn ergibt.

Trotz der durchwachsenen Statistik gibt es zwei Situationen, in denen ich den UO im Werkzeugkasten lasse:

Ehrliche Bewertung.

Mein Fazit: der Ultimate Oscillator ist ein Stück Trading-Geschichte, kein heimlicher Champion. Wer ihn aus Neugier testet, lernt etwas über Indikator-Design. Wer eine handelbare Edge sucht, wird mit einfacheren Werkzeugen schneller fündig.

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