TRIX: Triple-Smoothed EMA für Trend-Reinheit.
Der TRIX ist einer der ältesten technischen Indikatoren, die heute kaum jemand mehr aktiv erwähnt — und das ist schade, weil er ein bemerkenswert sauberes Werkzeug für Longer-Term-Trendfolge ist. Jack Hutson hat ihn Anfang der 1980er in „Technical Analysis of Stocks & Commodities" vorgestellt, mit einer Idee, die heute noch trägt: Rauschen durch dreifache EMA-Glättung brutal rausfiltern, und auf dem Rest die prozentuale Änderungsrate messen.
In diesem Artikel zeige ich, wie TRIX rechnet, was der Triple-Smoothing wirklich kostet und bringt, welche Setups in der Praxis tradebar sind und wie er sich gegenüber MACD schlägt. Plus eine ehrliche Einordnung, wo er heute noch sinnvoll ist.
Wie TRIX rechnet.
Drei Schritte, sauber dokumentierbar:
- Schritt 1: EMA(n) des Schlusskurses
- Schritt 2: EMA(n) des Ergebnisses aus Schritt 1
- Schritt 3: EMA(n) des Ergebnisses aus Schritt 2
- TRIX = prozentuale Veränderung der dreifach geglätteten Linie über eine Periode
Typische Periode n=15 (Hutson-Original) oder n=18. Eine Signal-Line ist üblicherweise ein EMA(9) des TRIX selbst — analog zur MACD-Signal-Line.
Das Ergebnis: TRIX schwingt um Null. Positiv = dreifach geglätteter Trend zeigt nach oben, negativ = nach unten. Crossover über Null und Crossover mit der Signal-Line sind die klassischen Trigger.
Was der Triple-Smoothing leistet — und kostet.
Jede einzelne EMA-Glättung dämpft Rauschen und erzeugt Lag. Drei Mal hintereinander ist das brutal effektiv: TRIX zeigt fast keine Mini-Reversals, fast keine Range-Zappler, fast keine Volatilitäts-Spikes. Der Chart ist optisch fast schon zu glatt.
Der Preis: Lag. TRIX(15) reagiert deutlich später auf Trendwenden als ein simpler MACD. Auf Tagesdaten kann ein vollständiger Trendwechsel zwischen Hoch und TRIX-Zero-Cross 10 bis 25 Handelstage liegen. Das ist viel — und genau das macht TRIX ungeeignet für Swing-Trading und ideal für Position-Trading.
Klassische Setups.
Zwei Standardanwendungen, die in der Praxis robust sind:
Setup A — Zero-Cross:
- Long: TRIX kreuzt Null von unten nach oben am Schluss
- Exit Long: TRIX kreuzt Null zurück nach unten
- Symmetrisch für Shorts
Dieses Setup hat sehr wenige Signale (auf SPY rund 4–8 pro Jahr), aber die einzelnen Trades laufen typischerweise Wochen bis Monate. Hit-Rate über 20 Jahre liegt um 50 %, der durchschnittliche Trend-Gewinner ist allerdings substanziell — Average-Trade +3 bis +5 %. Drawdowns sind moderat.
Setup B — Signal-Line-Cross:
- Long: TRIX kreuzt EMA(9, TRIX) von unten
- Exit: Gegen-Cross
Mehr Signale (15–20 pro Jahr), kürzere Trades, niedrigere durchschnittliche Trade-Größe. Empfindlicher für Whipsaws in Range-Phasen — Setup A ist statistisch sauberer.
TRIX für Longer-Term Trend-Following.
Das wahre Stärkefeld des TRIX ist nicht der schnelle Trade, sondern der saubere Position-Trade. Wer in einem CFD- oder Futures-Konto wenige große Positionen über Monate hält, bekommt mit TRIX einen Filter, der die meisten Mini-Korrekturen schluckt und nur bei echten Trendbrüchen Alarm schlägt.
Auf Wochendaten (TRIX(15) auf Wochen-Bars) wird das noch deutlicher: typische Trade-Laufzeiten 6–18 Monate auf Indizes. Das ist Position-Trading-Domäne, nicht Day-Trading.
Vergleich mit MACD: ähnlich, aber nicht gleich.
MACD = EMA(12) − EMA(26), Signal-Line EMA(9). TRIX = % Change einer dreifach geglätteten EMA. Strukturell sind beide Momentum-Oszillatoren um Null, beide nutzen Signal-Line-Cross.
Praktische Unterschiede:
- MACD reagiert schneller — der einfache Schnitt zweier EMAs ist responsiver als drei geglättete EMAs hintereinander.
- TRIX produziert deutlich weniger Fehlsignale in Ranges, weil drei Glättungen das Rauschen härter herausnehmen.
- MACD ist besser für mittelfristiges Swing-Trading, TRIX für längerfristiges Trend-Following.
Anders gesagt: wer dieselbe Information mit weniger Lag will, nimmt MACD. Wer dieselbe Information mit weniger Whipsaw will, nimmt TRIX. Beides gleichzeitig geht nicht.
Python-Implementierung.
# TRIX nach Hutson import yfinance as yf import pandas as pd def trix(close, n=15, signal=9): e1 = close.ewm(span=n, adjust=False).mean() e2 = e1.ewm(span=n, adjust=False).mean() e3 = e2.ewm(span=n, adjust=False).mean() trix = e3.pct_change() * 100 sig = trix.ewm(span=signal, adjust=False).mean() return trix, sig px = yf.download("SPY", start="2000-01-01", auto_adjust=True)["Close"] t, s = trix(px, 15, 9) # Zero-Cross-Signale long_entry = (t > 0) & (t.shift(1) <= 0) long_exit = (t < 0) & (t.shift(1) >= 0)
Divergenzen mit TRIX: sauberer als bei RSI.
Weil TRIX das Rauschen so stark filtert, sind seine Pivots deutlich „sauberer" als die eines RSI(14). Das macht TRIX-Divergenzen statistisch etwas brauchbarer als RSI-Divergenzen — auf größeren Timeframes (Tages- oder Wochencharts) zeigen TRIX-Divergenzen auf Indizes über 20 Jahre eine schwach positive Forward-Performance über 30 Tage.
Das ist immer noch kein Stand-Alone-Signal, aber als Zusatzbestätigung für andere Setups (Support-Bounces, Mean-Reversion-Trigger) ist es ein netter Layer.
Ehrliche Bewertung.
- Sehr stark für Position-Trading auf Indizes und Major-Pairs. Wenige, saubere Signale, akzeptable Hit-Rate, gute durchschnittliche Trade-Größe.
- Ungeeignet für Day- und Swing-Trading. Der Lag killt jeden Edge auf kurzen Zeitfenstern.
- Bessere Wahl als MACD bei zappligen Range-Märkten. Schlechter bei schnellen Drehungen.
- Heute unterbenutzt. Der Indikator ist „uncool", aber statistisch besser dokumentiert als die meisten Crypto-Influencer-Indikatoren der letzten Jahre.
Mein Fazit: wer ohnehin mit langen Haltezeiten arbeitet, sollte TRIX kennen und testen. Wer Tagesgeschäft macht, kann ihn ignorieren. Das ist kein Mangel des Indikators — es ist sein Charakter.
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