← Alle Insights

Merger Arbitrage: den Spread auf angekündigte Übernahmen ernten.

Merger Arbitrage ist eine der ältesten Event-Driven-Strategien überhaupt — Goldman Sachs hat sie unter Robert Rubin in den 70er Jahren institutionalisiert. Die Mechanik ist einfach, das Risiko-Profil aber nicht: man verdient regelmäßig kleine Beträge und verliert gelegentlich große. Wer das versteht und sauber diversifiziert, hat eine der wenigen Quellen für unkorrelierte Returns auf dem heutigen Markt.

Mechanik: Long-Target, Short-Acquirer (bei Stock-Deals).

Ein Unternehmen wird übernommen. Käufer A bietet 100 USD je Aktie für Zielunternehmen B, das vor der Ankündigung bei 70 USD notierte. Direkt nach Ankündigung springt B auf 96 USD — nicht auf 100, weil der Markt das Restrisiko einpreist, dass der Deal scheitert.

Der Merger-Arb-Trader kauft B zu 96 USD und hofft, bei Abschluss 100 USD zu erhalten. Spread: 4 USD oder rund 4 % auf Investment. Wenn der Deal in sechs Monaten schließt, ist das eine annualisierte Rendite von rund 8 %.

Bei reinen Cash-Deals reicht das Long-Target. Bei Stock-Deals (Käufer zahlt mit eigenen Aktien zu festem Verhältnis) wird zusätzlich der Käufer-Aktienkurs geshortet, damit das Verhältnis fixiert ist. Das eliminiert das Markt-Risiko und macht den Spread richtig zur reinen Deal-Wette.

Typische Renditen: 4–8 % annualisiert über dem Risk-Free.

Über lange Zeiträume liefert ein diversifiziertes Merger-Arb-Portfolio rund 3–5 Prozentpunkte über dem Risk-Free-Rate. In Niedrigzins-Phasen war das die Gesamt- Rendite (4 % p. a. mit 0 % Risk-Free), in Hochzins-Phasen entsprechend höher.

Die Korrelation zum Aktienmarkt ist niedrig (rund 0,2–0,3 in normalen Phasen), aber nicht null — in Krisen springt sie hoch. Das ist die wichtigste Erkenntnis für die Portfolio-Konstruktion: Merger Arb ist „kein Bond-Ersatz", auch wenn es so aussieht.

Die Risiken: Deal-Break.

Der Crash-Modus ist immer derselbe: der Deal scheitert. Das Target fällt zurück Richtung Pre-Announcement-Niveau, manchmal darunter. Wenn Sie 96 USD gekauft haben und das Target nach Break auf 65 USD fällt, verlieren Sie 31 USD pro Aktie — die Asymmetrie ist brutal: 4 USD potenzieller Gewinn gegen 30+ USD potenzieller Verlust.

Historische Crash-Perioden.

Merger-Arb-Fonds liefern in den meisten Jahren Renditen zwischen 3 und 8 %. Die Ausnahmen sind selten, aber heftig:

Lessons aus Greenlight und Burry.

David Einhorn (Greenlight Capital) und Michael Burry (Scion) sind nicht primär als Merger-Arb-Fonds bekannt, haben aber öffentlich gemachte Trades, die instruktiv sind:

Klassische Auswahl-Kriterien.

Disziplinierte Merger-Arb-Spezialisten haben Filter, die einen Großteil der verlustreichen Deals herausnehmen. Was in der Branche Standard ist:

Risiko-Management durch Diversifikation über Deals.

Die einzige funktionierende Risiko-Steuerung ist Diversifikation. Ein institutioneller Merger-Arb-Fonds hält typisch 30–80 Deals gleichzeitig, kein Deal größer als 3–5 % des Portfolios. Damit verteilt sich das Deal-Break-Risiko auf viele unabhängige Wetten.

# Beispiel-Sizing-Regel
max_position_size = 3 %    # Anteil am Portfolio pro Deal
target_spread     = >4 %   # annualisiert nach Kosten
min_deal_size     = 500 Mio. USD    # Marktkap des Targets
max_time_to_close = 12 Monate
exclude:          hostile, LBO ohne committed financing,
                  konzentriertes Antitrust-Risiko

Konkrete Setups für Retail mit kleinerer Skala.

Einen eigenen 80-Deal-Portfolio aufzubauen ist für Privatanleger nicht praktisch — Transaktionskosten, Stock-Borrow für die Hedge-Seite bei Stock-Deals, Research- Kapazität. Drei sinnvolle Vehikel:

Meine Praxis: Merger Arb als kleiner Diversifikator.

Für Mandanten mit ausreichend großem Portfolio (ab rund 500.000 EUR) prüfe ich Merger-Arb-Allokationen von 2–5 % als Diversifikations-Baustein neben Aktien-, Anleihen- und Trend-Komponenten. Der Beitrag ist nicht spektakulär — vielleicht 0,2 Prozentpunkte zur Gesamt-Sharpe. Aber er ist real und kommt aus einer Quelle, die unabhängig vom Konjunkturzyklus ist.

Was ich nicht mache: Merger Arb als „Bond-Ersatz" verkaufen, wie es einige Broker tun. Die Krisen-Korrelation ist zu hoch, und der Drawdown-Modus ist genau der, in dem Bond-Allokationen eigentlich schützen sollen. Wer Merger Arb hält, sollte verstehen, dass es Aktien-ähnliches Tail-Risiko mit Bond-ähnlicher Normal-Rendite ist. Damit ist es ein guter Diversifikator — aber ein schlechter Ersatz für etwas anderes.

Sie wollen Event-Driven-Strategien wie Merger Arbitrage in Ihr Portfolio integrieren? Erstgespräch buchen — wir prüfen die Eignung und die zugänglichen Vehikel für Ihr Mandat.