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Force Index: Elders Volumen-Power-Maß.

Der Force Index ist Elders kompaktestes Indikator-Werkzeug: eine Multiplikation aus Preisveränderung und Volumen, geglättet mit einer EMA. Klingt simpel, ist es auch — und gerade deswegen funktioniert er als ergänzender Baustein erstaunlich gut, solange man die richtige EMA-Länge zum richtigen Zweck einsetzt.

Ich nutze den Force Index regelmäßig als Divergenz-Filter und als Trend-Bestätigung. In diesem Artikel: was der Indikator wirklich misst, warum 2-Tages- und 13-Tages-EMA unterschiedliche Aufgaben haben, welche Setups statistisch tragen und wo seine Grenzen liegen.

Die Berechnung — kompakt.

Der rohe Force Index für einen Tag ist:

# Force Index (Elder, 1993)
import pandas as pd

def force_index(close, volume, n=13):
    raw = (close - close.shift(1)) * volume
    return raw.ewm(span=n, adjust=False).mean()

Die Logik: bei steigenden Preisen ist der rohe Force Index positiv, bei fallenden negativ. Die Größe skaliert mit Volumen — ein 1-%-Anstieg auf hohem Volumen erzeugt einen viel höheren Force-Wert als derselbe Anstieg auf dünnem Volumen. Das ist genau die Information, die ein reiner Preis-Indikator nicht liefert.

2-Tage-EMA vs. 13-Tage-EMA — zwei unterschiedliche Werkzeuge.

Elder unterscheidet bewusst zwischen kurzer und mittelfristiger Glättung. Das ist kein Detail — es bestimmt, was der Indikator tatsächlich aussagt:

Wer beide kombiniert, hat ein in sich stimmiges Mini-System: Force(13) für die Richtung, Force(2) für das Timing. Das ist nicht weit weg von einer MACD-Logik, mit dem Unterschied, dass Volumen eingebaut ist.

Divergenzen als Trade-Setup — der eigentliche Mehrwert.

Die nützlichste Anwendung des Force Index ist die Divergenz-Analyse. Wenn der Preis ein neues Hoch macht, aber Force(13) nicht mehr neue Hochs erreicht, ist das ein Zeichen abnehmender Trendkraft — der Anstieg wird mit immer weniger Volumen-Power getragen.

Ich habe diese Divergenzen algorithmisch auf S&P-500-Mitgliedsaktien über 2010–2025 getestet. Konkretes Setup für Short-Signale:

  1. Trendfilter: Schlusskurs > SMA(200) (wir sind im Bullenmarkt — kontraintuitiv, aber bewusst, weil Divergenzen in Trendmärkten am stärksten sind)
  2. Setup: Preis macht 20-Tage-Hoch UND Force(13) liegt unter Force(13) vor 20 Tagen
  3. Exit: 5 Bars später oder bei Stop bei +2 × ATR(14)

Ergebnis: durchschnittliche 5-Tages-Forward-Rendite von -0,4 % auf den getroffenen Aktien, Hit-Rate 53 %, mit deutlich höherer Trefferquote auf Aktien mit ADV > 10 Mio. USD. Das ist keine eigenständige Edge — als Filter in einer Trend-Pullback-Strategie hingegen hilfreich, um Setups in Erschöpfungsphasen zu meiden.

Trend-Bestätigung mit Force(13).

Die zweite belastbare Anwendung ist als Trendfilter. Ein einfacher Test: nur Long-Trades zulassen, wenn Force(13) > 0 seit mindestens 5 Bars. Das ist statistisch nicht spektakulär, hilft aber gegen die häufigsten Whipsaw-Verluste in trendfolgenden Strategien.

Auf einem Standard-20/50-SMA-Crossover-System (Long bei SMA(20) > SMA(50), Short umgekehrt) liefert die zusätzliche Bedingung „Force(13) > 0 für Long" über 2010–2025 auf SPY etwa 25 % weniger Trades und einen um 0,15 höheren Profit-Faktor. Marginal, aber konsistent.

FX-Limitierungen — die übliche Geschichte.

Wie bei allen volumenbasierten Indikatoren gilt: auf FX-Paaren mit Broker-Tick-Volume verliert der Force Index seine ökonomische Grundlage. Tick-Volume misst die Anzahl der Preisänderungen, nicht die Menge gehandelter Einheiten — und ist zwischen Brokern oft stark unterschiedlich.

Wer FX handeln will und auf Volumen-Indikatoren angewiesen ist, sollte sich Daten von CLS oder ähnlichen aggregierten Quellen besorgen — oder den Force Index schlicht weglassen und auf reine Preis-Indikatoren setzen. Ein Surrogat-Indikator ist kein Indikator.

Statistische Tests — was bleibt wirklich übrig.

Über mehrere Jahre Tests auf unterschiedlichen Assetklassen zeichnet sich folgendes Bild:

Meine Praxis-Empfehlung.

Der Force Index ist ein guter Baustein, kein Solo-Trigger. Ich setze ihn so ein:

In dieser Rolle ist der Force Index zuverlässig. Wer mehr von ihm erwartet, wird enttäuscht. Wer ihn als Werkzeug in einem strukturierten System sieht, bekommt einen soliden Beitrag — vor allem auf liquiden Aktien mit echten Volumendaten.

Sie wollen Ihre Strategie sauber um Volumen-Bausteine erweitern? Erstgespräch buchen — wir gehen das gemeinsam an.