Termingeschäfte-Verlustverrechnung
Frühere Sonderregel (2021–2024), rückwirkend abgeschafft: max. 20.000 € Termingeschäftsverluste pro Jahr verrechenbar.
Von 2021 bis 2024 galt in Deutschland: Verluste aus Termingeschäften (CFDs, Forex, Optionen, Futures) waren nur bis 20.000 € pro Jahr mit anderen Termingeschäftsgewinnen verrechenbar — der Rest wurde vorgetragen, aber wieder mit der Grenze.
Nach ernsten verfassungsrechtlichen Zweifeln des BFH hat der Gesetzgeber die Beschränkung mit dem Jahressteuergesetz 2024 ersatzlos gestrichen — rückwirkend für alle offenen Fälle. Termingeschäftsverluste sind wieder unbeschränkt mit anderen Kapitalerträgen verrechenbar; offene Altjahre (2021–2023) lohnen die Prüfung mit dem Steuerberater.
Genaue Definition
Die Beschränkung stand in § 20 Abs. 6 Satz 5 EStG in der Fassung des Jahressteuergesetzes 2020. Verluste aus Termingeschäften im Sinne von § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 EStG durften nur mit Gewinnen aus Termingeschäften und mit Einkünften aus Stillhaltergeschäften (§ 20 Abs. 1 Nr. 11 EStG, etwa vereinnahmten Optionsprämien) ausgeglichen werden, und das nur bis 20.000 € je Jahr. Nicht verrechnete Verluste wurden vorgetragen und waren in den Folgejahren wieder nur bis 20.000 € je Jahr nutzbar. Satz 6 begrenzte Verluste aus uneinbringlichen Kapitalforderungen und der Ausbuchung wertloser Wirtschaftsgüter ebenfalls auf 20.000 € je Jahr. Mit dem Jahressteuergesetz 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 387, verkündet am 5. Dezember 2024) wurden beide Sätze gestrichen; nach § 52 Abs. 28 Satz 25 und 26 EStG sind sie „auf alle offenen Fälle nicht mehr anzuwenden“. Vorausgegangen war ein Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 7. Juni 2024 (VIII B 113/23), der ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Termingeschäftsregel äußerte. Unverändert gilt der übrige § 20 Abs. 6 EStG: Verluste aus Kapitalvermögen dürfen nicht mit anderen Einkunftsarten wie Arbeitslohn ausgeglichen werden (Satz 1), Verluste aus Aktienveräußerungen nur mit Gewinnen aus Aktienveräußerungen (Satz 4).
Rechenbeispiel
Rechenbeispiel (vereinfacht, ohne Sparer-Pauschbetrag und Kirchensteuer): Ein Jahr mit 100.000 € Gewinnen und 90.000 € Verlusten aus Termingeschäften, keine weiteren Kapitalerträge. Nach der alten Regel waren nur 20.000 € Verlust verrechenbar; zu versteuern waren 80.000 €, 70.000 € gingen in den Vortrag. Mit 25 % Abgeltungsteuer und 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf, zusammen 26,375 %, ergab das 80.000 × 0,26375 = 21.100 € Steuer bei einem wirtschaftlichen Gewinn von 10.000 €. Ohne die Beschränkung sind die Verluste im selben Jahr voll verrechenbar: Zu versteuern sind 10.000 €, die Steuer beträgt 10.000 × 0,26375 = 2.637,50 €, ein Verlustvortrag entsteht nicht.
Umsetzung im Code und typischer Fehler
Wer Trades für die Steuererklärung oder eine Auswertung nach Steuern automatisch aufbereitet, ordnet jedes Geschäft einem Verrechnungskreis zu: Aktienveräußerungen getrennt, Termingeschäfte, Stillhalterprämien und übrige Kapitalerträge gemeinsam. Gerechnet wird je Kalenderjahr in Euro; bei Geschäften in Fremdwährung werden Anschaffung und Veräußerung jeweils zum Kurs ihres Zeitpunkts umgerechnet (§ 20 Abs. 4 EStG). Ein typischer Fehler in solchen Skripten ist ein fest eingebauter Parameter wie VERLUSTGRENZE_TERMIN = 20000, der nach der Rechtsänderung weiter greift und die Steuer zu hoch ausweist. Der Gegenfehler ist, Aktienverluste mit Optionsgewinnen zu verrechnen; das ist nach § 20 Abs. 6 Satz 4 EStG nicht zulässig. Für offene Altjahre 2021 bis 2023 hilft eine Auswertung, die beide Rechtsstände nebeneinander rechnet, als Grundlage für das Gespräch mit Steuerberaterin oder Steuerberater. Die steuerliche Prüfung ersetzt sie nicht.
Grenzen und Missverständnisse
Die Streichung wirkt nur in offenen Fällen. Offen sind etwa Bescheide, gegen die noch Einspruch möglich ist oder die unter dem Vorbehalt der Nachprüfung oder in diesem Punkt vorläufig ergangen sind. Ist ein Bescheid dagegen bestandskräftig und nicht mehr änderbar, bleibt es in der Regel bei der alten Berechnung. „Unbeschränkt verrechenbar“ heißt außerdem nur: innerhalb der Einkünfte aus Kapitalvermögen; mit Arbeitslohn oder Mieteinnahmen lassen sich diese Verluste weiterhin nicht verrechnen. Welche Produkte als Termingeschäft gelten, ist im Einzelfall eine steuerliche Frage und war für einzelne Produktarten umstritten. Dieser Eintrag gibt den Rechtsstand allgemein wieder (Stand: November 2026) und ist keine Steuerberatung. Mehr im Artikel Verlustverrechnung bei Termingeschäften sowie unter Abgeltungsteuer und Kapitalertragsteuer.
Hinweis: Dieser Glossar-Eintrag ist KI-gestützt entstanden. Marcel Gautsche verantwortet Inhalt und Auswahl redaktionell. Ihnen ist ein Fehler aufgefallen? Schreiben Sie an info@marcelgautsche.de.
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