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Sektoren-Rotation: systematisch Long-Only investieren.

Sektoren-Rotation ist die zugänglichste systematische Strategie überhaupt — kein Short, keine Optionen, niedrige Frequenz, robust. Wer mit kleinem Konto startet und nicht täglich vor dem Bildschirm sitzen will, findet hier wahrscheinlich die wirtschaftlich sinnvollste Strategie.

Die Grundidee.

Statt einen breiten Index zu halten, investieren Sie nur in die N stärksten Sektoren und schichten monatlich oder quartalsweise um. Annahme: Sektoren zeigen Momentum — wer in den letzten Monaten gut lief, läuft typischerweise weiter gut. Wer schlecht lief, bleibt schwach.

Klingt simpel. Funktioniert seit Jahrzehnten. Akademisch dokumentiert (Jegadeesh & Titman 1993, später Asness/AQR mehrfach repliziert).

Das einfachste funktionierende Setup.

Historische Performance.

Backtests dieser einfachen Strategie über 2001–2025:

Das ist keine Quant-Hedgefonds-Performance, aber für einen Privatanleger mit 10–30 Minuten Aufwand pro Monat signifikant besser als Buy-and-Hold-Index.

Verfeinerungen, die wirklich helfen.

1. Volatilitäts-Skalierung

Statt gleichgewichtet (33 %, 33 %, 33 %): inverse Vol-Gewichtung. Sektoren mit niedrigerer Vola bekommen mehr Allokation. Reduziert Drawdowns ohne Performance- Kosten.

2. Trend-Filter pro Sektor

Ein Sektor wird nur dann allokiert, wenn er über seiner 12-Monats-Linie liegt. Andernfalls wird die Position in Cash gehalten. Verhindert, dass die Strategie in Bear-Märkten in den „besten der schlechten" Sektor investiert.

3. Cross-Asset-Erweiterung

Universum erweitern: zusätzlich zu Aktien-Sektoren auch Anleihen-ETFs (TLT, IEF, HYG) und Rohstoff-ETFs (GLD, DBA, USO). Das macht aus der Sektor-Rotation eine echte Multi-Asset-Trendfolge-Strategie. Sharpe steigt typisch auf 1,0–1,2.

Was Sie umsetzen müssen — konkret.

Monatlich, ca. 30 Minuten:

  1. Aktuelle 12M-1M-Returns der 11 ETFs berechnen (Excel, Python, oder einfach Daten aus Yahoo Finance ziehen).
  2. Top 3 nach Return-Ranking auswählen.
  3. Risk-Off-Filter prüfen: S&P 500 über/unter 200-Tage-Linie?
  4. Falls Risk-On: aktuelle Positionen mit Soll-Positionen vergleichen. Verkauf, Kauf entsprechend.
  5. Trade-Log aktualisieren.

Steuer-Aspekte (Deutschland).

ETFs fallen unter den allgemeinen Verlustverrechnungstopf, kein 20-k-Termin-Topf. Bei monatlichem Rebalancing entstehen Realisierungen — bei langfristigem Halten wären Steuern aufgeschoben. Für die meisten Trader ist das aber okay, weil:

Wo es nicht funktioniert.

Sektor-Rotation versagt in mean-revertierenden Phasen ohne klaren Trend. Beispiele: 2015–2016 (FAANG-Rotation mehrfach hin und her), Q4 2018 (jeder Sektor fiel gleichzeitig), Mitte 2023 (Tech-Run, dann Korrektur, dann Run). In solchen Phasen kann die Strategie 12–18 Monate brauchen, um nicht mehr unter dem Index zu liegen.

Wer das nicht aushält, sollte stattdessen passiv einen breiten Index halten. Sektor-Rotation belohnt diejenigen, die das langfristige Risiko-Profil und nicht die monatliche Performance bewerten.

Für wen das passt.

Sektoren-Rotation eignet sich besonders für:

Sie wollen eine Sektor-Rotation für Ihr Portfolio aufsetzen? Erstgespräch buchen — wir bauen das Setup so, dass es zu Ihrer Zeit und Ihrem Kapital passt.