Ratio-Spreads & Backspreads: asymmetrische Vega/Theta-Profile.
Wenn ein Vertical-Spread Ihnen zu symmetrisch ist, sind Ratio-Spreads und Backspreads die nächste Stufe. Mit ungleicher Anzahl Long- und Short-Optionen bauen Sie sehr spezifische Vega- und Gamma-Profile — perfekt für Vola-Events, gefährlich ohne Risk- Management.
Definition: ungleiche Anzahl Long- und Short-Optionen.
Ein Ratio-Spread (auch Front-Spread) hat mehr Short- als Long-Optionen. Typische Ratios sind 1×2 oder 1×3: eine Long-Option, zwei oder drei Short-Optionen auf einem anderen Strike. Die Position wird in der Regel kreditiv eröffnet — Sie bekommen netto Geld eingezahlt.
Ein Backspread (auch Reverse-Ratio-Spread) ist das Spiegelbild: mehr Long- als Short- Optionen. Typisch 2×1 oder 3×1. Die Position wird meist mit kleinem Debit oder netto Null eröffnet.
Call-Ratio-Spread: das klassische Setup.
SPY Spot: 580
+ 1 Long Call 580 → -8,40
- 2 Short Call 595 → +6,60 (3,30 × 2)
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Net-Credit: −1,80 (Sie bekommen 180 €)
P&L am Verfall:
S < 580: +180 (volle Prämie behalten)
S = 595: +1.680 (max-Profit: Spread + Prämie)
S = 612: 0 (Break-even oben)
S > 612: negativ, theoretisch unbegrenzt
Das P&L-Profil ist ein „Berg" mit maximalem Gewinn beim Short-Strike — danach stürzt es ins Bodenlose, weil der zweite Short-Call ungedeckt ist.
Greeks des Ratio-Spreads.
- Vega-negativ: insgesamt mehr Short-Vega als Long-Vega.
- Gamma-negativ nahe dem Short-Strike: Bei starker Bewegung zum Short-Strike kollabiert das Profit-Profil schnell.
- Theta-positiv: Sie ernten netto Zeitwert.
- Delta: zu Beginn moderat positiv (bullish), kippt aber jenseits des Short-Strikes ins Negative.
Backspread: das umgekehrte Profil.
SPY Spot: 580
- 1 Short Call 570 → +13,40
+ 2 Long Call 590 → -9,60 (4,80 × 2)
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Net-Debit / Credit: +3,80 (Sie bekommen 380 €)
P&L am Verfall:
S < 570: +380 (Prämie behalten)
S = 580: −620 (Verlust-Tal)
S = 590: −1.620 (max-Loss)
S = 605: −120
S > 605: positiv, theoretisch unbegrenzt nach oben
Backspread ist Long-Vega, Long-Gamma, Short-Theta. Eine Position, die explizit auf Vola-Expansion und große Bewegung wettet — und in einem stillen Markt langsam ausbluten würde.
Wann was: Ratio in ruhigen Märkten, Backspread vor Events.
Ratio-Spreads funktionieren, wenn der Markt sich erwartet seitwärts bis moderat in Richtung Short-Strike bewegt — und die Vola nicht explodiert. In hoher Vola sind die Short-Optionen teuer; man verkauft also viel Premium, hat aber gleichzeitig offenes Tail-Risk.
Backspreads sind das Gegenstück: vor erwarteten Vola-Spikes — FOMC, NFP, Earnings, Brexit-artige Macro-Events — kann ein Backspread asymmetrische Auszahlungen erzeugen. Sie zahlen wenig (oder bekommen sogar Prämie), und wenn der erwartete Move groß genug ist, gewinnt der Long-Beine-Übergewicht überproportional.
Konkreter Use-Case: Backspread vor Earnings.
Eine Aktie steht vor Earnings, die historisch zu 8–12 % Moves geführt haben. Implied Move (aus dem Straddle-Preis) suggeriert ±6 %. Ein OTM-Call-Backspread (z. B. 2× Long 10 % OTM, 1× Short 5 % OTM) ist eine Wette, dass der realisierte Move größer als der eingepreiste Move ausfällt.
Maximaler Verlust ist begrenzt (Net-Debit plus Verlust-Tal), aber das Upside ist potenziell sehr hoch, wenn die Earnings deutlich nach oben ausreißen. Symmetrisch kann man Put-Backspreads für Down-Moves bauen.
Risiken: warum Ratio-Spreads diszipliniertes Risk-Management verlangen.
Der Call-Ratio-Spread ist nominal mit unbegrenztem Risiko ausgestattet, weil ein Short-Call-Bein ungedeckt ist. Bei großer Bewegung — etwa Übernahmegerücht, das die Aktie 30 % nach oben treibt — kann ein einzelner Ratio-Spread sechsstellige Verluste produzieren.
Operativ heißt das: jeder Ratio-Spread MUSS einen Max-Loss-Punkt haben, an dem die Position geschlossen wird, lange bevor sie ungedeckt ins Geld läuft. Ich nutze typischerweise Stop bei 2× erhaltener Prämie als Brutto-Verlust — das limitiert das Risiko, akzeptiert aber, dass die theoretischen Max-Profite selten ausgespielt werden.
Eine Variante mit gedeckter Asymmetrie: 1×2 Vertical.
Wer die Schwanzrisiken eliminieren will, kann statt eines ungedeckten Ratio-Spreads einen 1×2 Vertical bauen: 1 Long Call mit niedrigerem Strike, 2 Short Calls mit höherem Strike, plus 1 Long Call mit noch höherem Strike als Tail-Hedge. Das ist faktisch ein „Christmas Tree" oder „Broken Wing Butterfly" — asymmetrisch im Profil, aber mit definiertem Max-Loss.
Meine Praxis: Backspreads vor Vola-Spikes.
Bei klar absehbaren Vola-Events — FOMC mit erwartet hawkischer Botschaft, CPI-Release in Inflations-Hot-Phase, Earnings einzelner High-Beta-Aktien — setze ich Backspreads ein. Das Setup: 5–7 DTE, OTM-Strikes, kleines Position-Sizing. Erwartung ist nicht, jeden Trade zu gewinnen, sondern dass die wenigen Treffer die kleinen Verluste der Misses überkompensieren.
Ratio-Spreads spiele ich seltener — sie verlangen sehr klares Marktbild und diszipliniertes Risk-Management, und in den meisten Setups ist ein einfacher Iron-Condor mit definiertem Risiko die bessere Wahl.
Was beide Strategien gemeinsam haben: sie zwingen Sie, in Greeks und nicht in Direction zu denken. Wer das einmal verinnerlicht hat, sieht den Optionsmarkt anders — nicht als Wette auf Kurs, sondern als Markt für Volatilität, Zeit und Risk.
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