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Pre-Announcement Drift in der Tiefe: Information-Leakage systematisch ausnutzen.

In einem früheren Artikel habe ich den klassischen Post-Earnings-Announcement-Drift (PEAD) behandelt. Hier geht es um sein weniger bekanntes Geschwister: den Pre-Announcement-Drift. In den 5–10 Tagen vor einer Earnings-Veröffentlichung bewegen sich Kurse systematisch in Richtung der späteren Surprise — bevor diese öffentlich bekannt ist. Wie funktioniert das, wie groß ist der Effekt, und wie nutzt man ihn?

Die Mechanik: Drift vor dem Event.

Pre-Announcement-Drift bezeichnet die Beobachtung, dass Aktien in den Tagen vor Earnings-Releases bereits messbar in die Richtung der späteren Surprise tendieren. Wenn ein Unternehmen positiv überrascht, ist die Aktie bereits in den 5–10 Tagen davor tendenziell stärker gestiegen als der Markt — und umgekehrt bei negativen Surprises.

Der Effekt ist nicht groß: typische Schätzungen liegen bei 0.3–0.6 % Excess Return über das 5-10-Tage-Fenster vor Earnings, abhängig von Methodik und Sample. Aber er ist statistisch robust und über mehrere Jahrzehnte und Märkte hinweg dokumentiert.

Drei Erklärungen für den Effekt.

Die akademische Literatur diskutiert primär drei Erklärungen, die sich nicht ausschließen:

Akademische Evidenz.

Die zentrale Referenz ist Brandt, Kishore, Santa-Clara und Venkatachalam (2008): „Earnings Announcements are Full of Surprises". Sie dokumentieren systematisch, dass etwa 50 % der kumulativen abnormalen Rendite um Earnings herum bereits VOR dem Release anfällt. Spätere Arbeiten (u.a. Brandt et al. 2016, Da et al. 2014) bestätigen das Muster mit anderen Datensätzen.

Größenordnungen: typisches Long-Short-Portfolio (Long Top-Quintil erwartete positive Surprise, Short Bottom-Quintil) liefert 4–8 % p.a. annualisiert, bevor Transaktionskosten. Das ist nicht spektakulär, aber statistisch signifikant und mit moderater Volatilität. Sharpe-Ratios bei 0.5–0.8 in akademischen Backtests, real wegen Kosten oft niedriger.

Implementation: ein konkretes Setup.

Wie könnte ein Privatanleger oder semi-professioneller Trader das nutzen? Mein Vorschlag, ohne Geheimnisse:

Risiken und Fallstricke.

Wann der Effekt besonders stark ist.

Die Literatur zeigt, dass Pre-Announcement-Drift in bestimmten Konstellationen stärker ist:

Meine eigene Praxis.

Ich nutze Pre-Announcement-Strategien als kleine systematische Allokation in meinem US-Equity-Portfolio, typischerweise 5–10 % der Long-Side. Nie Stand-Alone, immer als Beimischung zu einem breiter diversifizierten Setup. Die Sharpe-Ratio meiner Live-Variante liegt bei etwa 0.5–0.6 — niedriger als akademische Backtests suggerieren, was die übliche Realität ist.

Was ich nicht mache: die Strategie als Hauptmotor verwenden. Der Effekt ist real, aber klein, und er hat erhebliche Tail-Risiken (gelegentlich brechen Positionen vor Earnings auf negative Nachrichten ein, die nichts mit dem Earnings-Release zu tun haben). Wer damit Hauptperformance erzielen will, irrt sich in der Größenordnung des Effekts.

Für die meisten Privatanleger ist Pre-Announcement-Drift methodisch interessant, aber praktisch zu aufwändig — Datenkosten, Disziplin beim Exit, breite Diversifikation. Wer keine vier-stellige Anzahl an Trades pro Jahr fahren kann, sollte den Effekt zur Kenntnis nehmen, ihn aber nicht selbst implementieren.

Sie wollen prüfen, ob ein Pre-Announcement-Setup zu Ihrem Portfolio passt? Erstgespräch buchen — wir gehen Ihre Datenlage und Ihre Kapazität durch und entscheiden ehrlich, ob es sich lohnt.