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Optionen-Income: Cash-Secured Puts, Covered Calls und die Wheel-Strategie.

Optionsstrategien für Income klingen nach „passivem Einkommen aus dem Depot". Die Realität ist differenzierter — mit echten Risiken, klaren Voraussetzungen, aber auch sauber kalkulierbaren Renditen. Was wirklich funktioniert, und für wen.

Ein typisches Versprechen aus Trading-Werbungen: „Verdienen Sie 2 % monatlich mit Optionen auf Ihre Aktien." Das stimmt nicht — und stimmt doch. Es kommt darauf an, was man damit meint und welche Risiken man dafür eingeht. Lassen Sie uns das nüchtern auseinandernehmen.

Die Basis: Was Optionen wirklich sind.

Eine Option ist ein Vertrag, mit dem Sie das Recht (nicht die Pflicht) erwerben oder verkaufen, eine Aktie zu einem bestimmten Preis bis zu einem bestimmten Datum zu handeln. Für Income-Strategien ist der entscheidende Mechanismus: Sie verkaufen dieses Recht an jemand anderen und kassieren dafür die Prämie.

Income entsteht, wenn Sie diese Rechte verkaufen und die Prämie behalten dürfen, weil die Option am Ende wertlos verfällt.

Strategie 1: Cash-Secured Puts.

Sie wollen eine bestimmte Aktie kaufen — aber nicht zum heutigen Kurs, sondern günstiger. Statt eine Limit-Order zu legen, verkaufen Sie eine Put-Option mit Strike unter dem aktuellen Kurs und hinterlegen genug Cash, um die Aktien zu kaufen, falls die Option ausgeübt wird.

Beispiel: Microsoft notiert bei 420 USD. Sie verkaufen einen Put mit Strike 400, Laufzeit 30 Tage, Prämie 4 USD pro Aktie (= 400 USD pro Kontrakt à 100 Aktien).

Wann das sinnvoll ist

Wenn Sie die Aktie sowieso besitzen wollten — Cash-Secured Puts geben Ihnen Rabatt auf den Einstiegskurs ODER Prämieneinkommen, falls die Aktie nicht fällt. Beide Outcomes sind okay.

Wo es schief geht

Wenn Sie die Aktie eigentlich nicht haben wollten und nur die Prämie attraktiv fanden. Bei einem 30 %-Crash erleben Sie dann, was es heißt, eine Aktie zu 400 zu kaufen, die plötzlich bei 280 steht. Die Prämie hilft Ihnen nicht.

Strategie 2: Covered Calls.

Sie halten Aktien im Depot. Sie verkaufen Call-Optionen über diese Aktien mit einem Strike, den Sie als „akzeptabler Verkaufspreis" empfinden. Wenn der Kurs unter dem Strike bleibt, behalten Sie die Prämie. Wenn er drüber steigt, verkaufen Sie Ihre Aktien zum Strike.

Beispiel: Sie halten 100 MSFT, die bei 420 stehen. Sie verkaufen einen Call mit Strike 440, Laufzeit 30 Tage, Prämie 3 USD. Ergebnis:

Wann das sinnvoll ist

Wenn Sie ohnehin planten, die Aktie ab einem bestimmten Kurs zu verkaufen. Bei Seitwärts-Phasen (was 60 % der Zeit der Fall ist) generieren Sie zusätzlichen Cashflow.

Wo es schief geht

Bei starken Kursanstiegen — Sie cappen Ihren Upside. Wenn MSFT auf 500 läuft, haben Sie nur 443 statt 500. Das ist der Preis für die Prämie. Wer FOMO bei explodierenden Aktien hat, sollte keine Covered Calls schreiben.

Strategie 3: Die Wheel-Strategie.

Die Wheel-Strategie kombiniert die beiden vorigen Ansätze in einem Zyklus:

  1. Verkaufen Sie Cash-Secured Puts auf eine Aktie, die Sie besitzen wollen.
  2. Werden Sie nicht assigniert: Prämie kassieren, neuen Put verkaufen.
  3. Werden Sie assigniert: Sie halten jetzt die Aktien.
  4. Verkaufen Sie Covered Calls auf die Aktien.
  5. Werden die Aktien nicht aufgerufen: Prämie kassieren, neuer Call.
  6. Werden sie aufgerufen: Sie sind wieder in Cash. Zurück zu Schritt 1.

Das ist mathematisch elegant und in ruhigen Märkten profitabel. Typische Brutto-Renditen liegen bei 12–18 % pro Jahr — vor Steuern, vor Transaktionskosten. Net-of-Tax bei deutscher Abgeltungsteuer eher 8–13 %.

Die ehrliche Kalkulation.

Was Ihnen Trading-Influencer selten zeigen: das vollständige Drawdown-Profil. Ein realistisches Beispiel auf ein 200-k-Konto, das die Wheel-Strategie auf US-Tech-Aktien fährt:

Mit anderen Worten: Sie verdienen 14 % im Schnitt und akzeptieren, dass ein 25–35 % Drawdown jederzeit möglich ist. Das ist deutlich besser als reines Halten der Aktien, aber kein „passives Einkommen ohne Risiko".

Praktische Umsetzung.

Welcher Broker?

Für Optionsstrategien führt praktisch kein Weg an Interactive Brokers vorbei (siehe Broker-Vergleich). Die Options-Engine, die Margin-Berechnung, die Greeks-Anzeige und die Kosten sind hier deutlich besser als bei den meisten Alternativen.

Welche Aktien?

Welcher Strike?

Faustregel: Delta zwischen 0,20 und 0,30. Das entspricht ungefähr 1–2 Standardabweichungen aus dem Geld und einer „Wahrscheinlichkeit, dass die Option im Geld endet" von 20–30 %. Gute Balance aus Prämieneinkommen und Risiko, assigniert zu werden.

Steuerliche Hinweise (Deutschland).

Optionsprämien gelten als Kapitalerträge und unterliegen der Abgeltungsteuer (25 % + Solidaritätszuschlag + ggf. Kirchensteuer). Wichtig: Verluste aus Optionsgeschäften unterliegen seit der Reform 2021 dem Verlustverrechnungs-Topf für Termingeschäfte mit der Grenze von 20.000 €/Jahr. Bei größeren Setups unbedingt mit Steuerberater abstimmen.

Bei Assignment: der Kaufpreis ist der Strike (nicht der Marktwert), die Prämie reduziert den effektiven Einstand. Bei Verkauf später wird die Differenz als Kapitalertrag versteuert.

Sie überlegen, ein Wheel-Setup auf Ihrem Depot zu fahren? Erstgespräch buchen — wir gehen Ihre Aktienauswahl und die konkreten Strikes durch.