Optionen-Greeks für Algo-Trader: Delta bis Vega systematisch.
Die meisten Trader kennen die Greeks aus dem Schulbuch und ignorieren sie im Live-Setup. Für systematische Optionsstrategien ist das tödlich. Greeks sind nicht akademisch — sie sind das Steuerrad, mit dem Sie Ihre Position lenken oder eben crashen.
Die fünf Greeks im praktischen Vergleich.
- Delta (Δ): wie viel der Optionspreis sich bewegt, wenn das Underlying um 1 € steigt. Wert zwischen −1 und +1. ATM-Call hat ~0,5, ATM-Put hat ~−0,5.
- Gamma (Γ): wie schnell sich Delta verändert. Hoch bei ATM, niedrig bei tief ITM/OTM. „Geschwindigkeit der Geschwindigkeit."
- Theta (Θ): wie viel Wert die Option pro Tag verliert, allein durch Zeitablauf. Bei OTM-Optionen kurz vor Verfall: brutal.
- Vega (V): wie viel der Optionspreis sich bewegt, wenn die implizite Volatilität um 1 Prozentpunkt steigt. Hoch für lange Laufzeiten, niedrig für sehr kurze.
- Rho (ρ): wie der Optionspreis auf Zinsänderungen reagiert. In aktuellen Zinsumgebungen wieder relevant, war 2010–2021 praktisch ignorierbar.
Was die Greeks für die Strategie-Wahl bedeuten.
Long Premium (Long-Call, Long-Put, Long-Straddle)
Sie sind Long Vega (profitieren von Vola-Anstieg), Long Gamma (profitieren von großen Bewegungen), Short Theta (zahlen Zeitwert). Funktioniert, wenn Sie eine konkrete Erwartung an Bewegung haben — sonst frisst Theta Sie auf.
Short Premium (Short-Strangle, Short-Iron-Condor, Credit-Spreads)
Short Vega (verlieren bei Vola-Anstieg), Short Gamma (verlieren bei großen Bewegungen), Long Theta (kassieren Zeitwert). Funktioniert in ruhigen Märkten, kollabiert in Vola-Spikes. 80 % der „Income-Strategien" sind das in irgendeiner Form.
Delta-neutrale Strategien
Sie eliminieren Delta durch Hedging mit dem Underlying. Was bleibt: Gamma, Theta, Vega. Das ist das Setup professioneller Vola-Trader. Profitabel, wenn Sie eine Sicht auf implizite vs. realisierte Volatilität haben.
Greeks systematisch in MT5 oder Python berechnen.
Broker-Plattformen zeigen Greeks oft, aber für systematische Strategien wollen Sie sie selbst berechnen. Black-Scholes ist der Standard, mit Anpassungen für Dividenden und amerikanische Optionen.
import numpy as np
from scipy.stats import norm
def black_scholes_greeks(S, K, T, r, sigma, option_type='call'):
"""S: spot, K: strike, T: time to expiry (years),
r: risk-free rate, sigma: implied vol"""
d1 = (np.log(S/K) + (r + 0.5*sigma**2)*T) / (sigma*np.sqrt(T))
d2 = d1 - sigma*np.sqrt(T)
if option_type == 'call':
delta = norm.cdf(d1)
theta = (-S*norm.pdf(d1)*sigma/(2*np.sqrt(T))
- r*K*np.exp(-r*T)*norm.cdf(d2)) / 365
else: # put
delta = norm.cdf(d1) - 1
theta = (-S*norm.pdf(d1)*sigma/(2*np.sqrt(T))
+ r*K*np.exp(-r*T)*norm.cdf(-d2)) / 365
gamma = norm.pdf(d1) / (S*sigma*np.sqrt(T))
vega = S*norm.pdf(d1)*np.sqrt(T) / 100 # per 1% vol move
rho = K*T*np.exp(-r*T)*norm.cdf(d2) / 100
return dict(delta=delta, gamma=gamma, theta=theta, vega=vega, rho=rho)
Position-Greeks aggregieren.
Für Portfolio-Risiko interessiert nicht das einzelne Kontrakt-Greek, sondern die Summe über alle offenen Positionen. Beispiel:
- 5 Short SPX-Strangles: Position-Vega = −2.500 (Sie verlieren 2.500 € pro Punkt VIX-Anstieg)
- + 2 Long Calls auf SPY: Position-Vega = +400
- = Net Vega = −2.100. Bei VIX-Spike um 10 Punkte: −21.000 € Vola-Loss.
Diese Berechnung sollten Sie automatisiert für Ihr gesamtes Optionsportfolio haben, ständig aktuell. Im Stress sind das die Zahlen, die zählen — nicht der Buchwert pro Einzelposition.
Die Greeks-Fallen, die ich oft sehe.
- „Ich verkaufe nur Puts mit Delta 0,15 — die laufen nie ins Geld": 15 % theoretische Wahrscheinlichkeit. Bei 50 Trades pro Jahr sind das ~7,5 Trades, die ins Geld laufen. Wenn der Trader nicht für diesen Fall vorbereitet ist, kommt der Schock.
- Theta-Strategien in Vola-Anstieg: „Theta gewinnt jeden Tag" stimmt — aber bei steigender Vola gewinnt Vega gegen Sie schneller, als Theta zu Ihren Gunsten arbeitet. Netto verlieren Sie, obwohl Sie Theta-Long sind.
- Gamma-Risiko unter-modelliert: ATM-Optionen kurz vor Verfall haben extremes Gamma. Eine 1 %-Bewegung im Underlying kann Delta von 0,3 auf 0,8 ziehen — und die Position aus der Risiko-Toleranz katapultieren.
- Implizite Vola vs. Realisierte Vola verwechseln: Sie verkaufen Vega zu IV 25 %. Wenn realisierte Vola 30 % ist, verlieren Sie — auch wenn IV nicht steigt.
Was wir konkret tun.
Bei Options-Strategien für Mandanten läuft ein nächtlicher Risiko-Report, der die Greeks-Summen pro Strategie und für das Gesamtportfolio ausgibt. Limits: maximal X Vega-Exposure, maximales Gamma-Risiko, Theta-pro-Tag-Ziel. Wenn ein Limit überschritten wird, läuft die Strategie nicht weiter, bis das Risiko reduziert ist.
Greeks sind keine Theorie, sie sind das Cockpit. Wer ohne fliegt, fliegt blind — und die Hindernisse, die er übersieht, sind real.
Sie wollen Ihre Options-Strategie systematisch über Greeks steuern? Erstgespräch buchen — wir bauen das Risk-Cockpit für Ihr Setup.