Mein Trading-Setup: Hardware, Software, Workflows.
Ein Trader-Setup ist Ausdruck der Strategie. Wer 50 Trades am Tag macht, braucht ein anderes Setup als jemand, der zweimal pro Woche ein Signal bekommt. Hier ist meins — nach zehn Jahren in der Praxis konsolidiert auf das, was wirklich zählt.
Hardware.
- Hauptmaschine: MacBook Pro M4 Max mit 64 GB RAM. Für 95 % der Arbeit (Code, Backtests, Analyse, Schreiben) reicht das mehr als aus.
- Zweiter Monitor: 32 Zoll 4K, vertikal aufgestellt. Code und Charts links, Browser/Dokumente rechts. Drei oder mehr Monitore: Statussymbol, kein Produktivitätsgewinn.
- VPS für Live-Strategien: zwei Hetzner-CX22-Instanzen (4 vCPU, 8 GB), eine als Hauptsystem in Falkenstein, eine als Hot-Standby in Helsinki. Latenz unter 50 ms zu den meisten Brokern.
- Backup-Internet: 5G-Mobilfunk-Router parallel zum DSL. Wenn die Glasfaser ausfällt — was selten ist, aber passiert — schalte ich um, ohne dass eine Strategie offline geht.
- Eigene Hardware-Wallet für Krypto-Bestände (Ledger Nano X). Cold Storage, nicht ans Internet angeschlossen.
Was ich nicht habe: spezielle „Trader-PCs" mit 8 Bildschirmen. Stehtisch ja — aber kein RGB-Beleuchtetes Gaming-Setup. Das Setup soll funktionieren, nicht beeindrucken.
Software-Stack.
Trading & Plattformen
- MetaTrader 5: für MQL5-EAs, vor allem Forex und CFD-Strategien. Lizenz über ICM Capital.
- Interactive Brokers TWS + Gateway: für Aktien, Optionen, Futures global. Python-Anbindung über
ib_insync. - Bybit/Binance: für Krypto, primär API-getrieben mit eigenen Python-Bots.
Code & Analyse
- Cursor (basierend auf VS Code) mit Claude Opus 4.7 als KI-Assistent. Hat die Geschwindigkeit, mit der ich Strategie-Code schreibe, um Faktor 3 erhöht — vor allem für ML-Pipelines und Backtest-Frameworks.
- Python 3.12 mit den üblichen Verdächtigen: pandas, NumPy, scikit-learn, PyTorch, XGBoost, vectorbt für Backtesting, statsmodels für ökonometrische Modelle.
- JupyterLab für Forschung und schnelles Prototyping. Aber: produktive Strategien laufen nie aus Notebooks — immer als reguläre Python-Skripte.
- Git mit privatem GitHub-Org. Jede Strategie hat ihr eigenes Repo mit klarem Branching-Modell:
main= live,dev= paper-trading, Feature-Branches für Experimente.
Daten
- Norgate Data für Aktien-Historien (US, ASX, TSX). Survivorship-bereinigt, Splits/Dividenden sauber.
- Refinitiv über einen institutionellen Zugang für Tick-Daten und Fundamentaldaten.
- Polygon.io für Echtzeit-Aktien-Daten in der Entwicklung.
- Alpha Vantage als Backup für FX und globale Indizes.
- IBKR als Live-Datenquelle für aktive Strategien.
Monitoring & Infrastruktur
- Prometheus + Grafana auf dem VPS für Strategie-Metriken (P&L, offene Positionen, Latenz).
- Sentry für Error-Tracking. Wenn eine Strategie crasht, weiß ich es sofort.
- PagerDuty für Alerts mit Eskalation: SMS, wenn ein kritischer Alert über 5 Minuten nicht acknowledgt ist.
- n8n für Workflow-Automatisierung (Daily-Reports per E-Mail, Backtest-Trigger, etc.).
Knowledge & Schreiben
- Notion für Strategie-Dokumentation, Trade-Journal, Mandanten-Wissensbasen.
- Obsidian für persönliche Notizen und Recherche — Markdown-basiert, lokal, durchsuchbar.
- Claude als Sparringspartner für Strategie-Diskussion und Code-Review. Nicht für Trading-Signale — KI-Halluzinationen in dem Bereich sind ein bekanntes Problem.
Tagesablauf.
Es gibt zwei verschiedene Tage in meinem Setup: Markt-Tage und Strategie-Tage.
Markt-Tag (Mo–Fr)
- 07:30: Daily-Report aller Strategien per E-Mail anschauen. P&L, neue Positionen, Errors. 10 Minuten, nicht mehr.
- 08:00–13:00: Tiefarbeit — Strategie-Entwicklung, Mandanten-Calls, Code-Reviews. Markt-Charts werden in der Zeit nicht angesehen.
- 13:00–15:00: Mittag, Sport. Trade-Aktivität ist niedrig — wenn etwas Wichtiges passieren würde, käme ein Alert.
- 15:00–18:00: weitere Tiefarbeit oder Mandanten-Meetings. Bei US-Open (15:30 deutsche Zeit) bin ich beobachtend, nicht aktiv.
- 18:00–19:00: Tages-Review. Welche Trades wurden ausgeführt, lief alles wie erwartet, gibt es Anomalien? Trading-Journal-Eintrag bei besonderen Ereignissen.
Strategie-Tag (Sa)
- Vormittag: Wochenrückblick aller Strategien. Performance gegen Erwartungen, Drawdown-Status, ungewöhnliche Trades analysieren.
- Nachmittag: Experimente, neue Ideen, Backtests. Hier passiert die eigentliche Verbesserung des Systems.
- Sonntag: bewusst frei. Märkte sind zu, Strategien laufen weiter ohne mich. Wenn ich am Sonntag arbeite, ist etwas in der Woche schiefgelaufen.
Was ich vor 5 Jahren noch hatte und heute nicht mehr brauche.
- TradingView Pro+: schöner Charts, aber für systematisches Trading nicht nötig. Python-Plots reichen für Analyse, MT5-Charts für visuelle Verifikation.
- Mehrere Bloomberg-ähnliche Terminals: für Retail/Quant-Trader Overkill. News bekomme ich über strukturierte APIs, nicht über Terminal-Tickers.
- Forum- und Discord-Mitgliedschaften: 95 % Lärm. Wer wirklich Edge hat, teilt ihn nicht im Discord. Habe es auf drei kuratierte Newsletter reduziert.
- 10 verschiedene Backtest-Plattformen: eigenen Code geschrieben. Reicht und macht keine Compliance-Probleme bei Mandanten-Projekten.
Das wichtigste Werkzeug.
Klingt banal, ist aber wahr: Routine. Die immer gleichen Schritte zur immer gleichen Zeit. Das gibt Raum für die Variabilität, die Märkte und Mandanten-Themen sowieso mitbringen. Wer jeden Tag mit „muss ich heute den Markt anschauen oder nicht" anfängt, hat schon verloren.
Und: ein Notizbuch auf dem Schreibtisch. Analog, Stift. Dort landen Ideen, Hypothesen, „muss-ich-mal-testen". Was es nicht ins Notizbuch schafft, wird auch nichts. Was es schafft und nach einer Woche immer noch interessant aussieht, wird zum Backtest.
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