← Alle Insights

Harami-Pattern: das japanische „Schwanger"-Signal.

Harami heißt im Japanischen „schwanger". Die Bildsprache ist klar: eine große Bar „trägt" eine kleinere in sich. Was das technisch bedeutet — und was nicht — entscheidet, ob das Pattern als Trade-Signal taugt oder als reines Wahrnehmungs-Werkzeug.

Die formale Definition.

Ein Harami besteht aus zwei Candles:

Bullish Harami: große Bear-Bar im Down-Trend, gefolgt von kleiner Bull-Bar innerhalb der Body. Bearish Harami: spiegelbildlich im Up-Trend. Die Farbe der zweiten Bar ist in der strengen Lehre relevant, in der Praxis aber oft sekundär.

# Bullish Harami
def bullish_harami(bars, body_min=0.55):
    a, b = bars[-2], bars[-1]
    rng_a = a.high - a.low
    if rng_a == 0: return False
    body_a = abs(a.close - a.open)
    if body_a / rng_a < body_min: return False
    if not (a.close < a.open): return False
    upper_a = a.open
    lower_a = a.close
    return (b.open > lower_a and b.close < upper_a
            and b.open < upper_a and b.close > lower_a)

Was das Harami eigentlich signalisiert.

Die populäre Lese-Art „kleine Bar in großer Bar = Reversal" greift zu kurz. Das Harami zeigt zunächst nur eines sauber: Volatilitäts-Kontraktion. Nach einer großen, gerichteten Bewegung verengt sich die Range. Die Marktteilnehmer haben Pause gemacht, die Entscheidung steht aus.

Diese Kontraktion kann sich in beide Richtungen auflösen. Statistisch häufiger geht sie in Trendrichtung weiter (Continuation) als gegen den Trend (Reversal) — und genau hier weicht die Realität von der naiven Lehrbuch-Lese-Art ab.

Vergleich mit Inside-Day.

Das westliche Pendant ist der Inside-Day: High und Low der zweiten Bar liegen innerhalb der ersten Bar. Die Unterschiede:

Statistisch sind beide Patterns sehr ähnlich. In meinen Tests funktioniert der Inside-Day in Aktien etwas besser, weil die Bedingung strenger ist und damit das Signal sauberer. Das Harami ist häufiger und damit für Screening-Zwecke nützlicher.

Bestätigungs-Bar ist Pflicht.

Ein Harami ohne Bestätigung ist statistisch nicht handelbar. Die dritte Bar muss das Signal validieren:

Ohne diese Bestätigung erzielt ein reines Harami-Setup in meinen Tests Trefferquoten um 50 % und Profit-Faktoren um 1,0. Mit Bestätigungs-Bar steigt die Trefferquote in den Bereich 55–60 %, Profit-Faktor 1,3–1,5. Der Bestätigungs-Filter ist nicht optional — er ist konstitutiv.

Statistik aus eigenen Backtests.

Setup Hit-Rate Avg R/R Profit-Faktor
Harami (rein, ohne Bestätigung) 50 % 1.0 0.99
Bullish Harami + Bestätigung 57 % 1.3 1.41
Bearish Harami + Bestätigung 54 % 1.2 1.26
Harami + Bestätigung + Trend + Volume 60 % 1.5 1.71

Auch hier zeigt sich die Asymmetrie: bullische Harami liefern in Aktien bessere Werte als bearische. Die kombinierte Variante (alle Filter aktiv) erreicht solide Profit-Faktoren, ist aber kein Hauptsignal, sondern ein Bestätigungs-Layer in einem mehrschichtigen System.

Setups, die ich verwende.

Häufige Fehler.

Meine ehrliche Bewertung.

Das Harami ist ein nützliches, aber überschätztes Pattern. Ohne Bestätigungs-Bar statistisch wertlos. Mit Bestätigung, Trend-Kontext und Volume-Filter ein solider Bestätigungs-Layer, der eigenständige Signale aus anderen Quellen unterstützen kann. Als alleinstehender Trade-Auslöser nicht stark genug.

Ich verwende Harami in meiner eigenen Praxis vorwiegend als Volatilitäts-Indikator: das Pattern zeigt mir, dass eine Bewegung gerade Momentum verliert. Was danach passiert, entscheidet die nächste Bar und der breitere Kontext. Wer das Harami so liest — als Frage statt als Antwort — bekommt aus ihm mehr Wert als wer es als simples Reversal-Rezept verwendet.

Sie wollen Candlestick-Patterns als Filter-Layer in eine quantitative Strategie einbauen? Erstgespräch buchen — ich zeige Ihnen die Architektur.