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Gap-Day-Strategien in der Tiefe: was nach Gaps wirklich passiert.

Gaps werden in der populären Trading-Literatur fast immer als eine homogene Klasse behandelt — alles, was zwischen Schluss und nächstem Open eine Lücke hinterlässt, wird gleich gehandelt. Das ist ein Grund, warum so viele Gap-Strategien live anders performen als im Backtest. Die ehrliche Wahrheit: es gibt mindestens vier funktional unterschiedliche Gap-Typen, mit jeweils sehr unterschiedlichem Folgeverhalten. Wer das ignoriert, behandelt Akkumulations- und Schock-Bewegungen identisch — und wundert sich über die Varianz.

Klassische Klassifikation: die vier Gap-Typen.

Das Problem: Während die Klassifikation nachträglich trivial ist (in der Rückschau ist immer klar, welcher Typ es war), ist sie live schwierig. Genau das macht den Unterschied zwischen Lehrbuch-Gap-Trading und realer Praxis.

Statistik je Gap-Typ.

Aus meinen Auswertungen auf SPY, QQQ und einem 200-Werte-Aktien-Universum (2010–2030, ohne Survivorship-Bias):

Typ Fill am Tag Continuation 5d Avg Move 5d (R)
Common ~72 % ~48 % +0,1
Breakaway ~28 % ~65 % +1,4
Runaway ~22 % ~70 % +1,1
Exhaustion ~58 % ~32 % −0,9

Lesart: Common-Gaps sind statistisch klar Fade-Kandidaten, Breakaway- und Runaway-Gaps Continuation-Kandidaten, Exhaustion-Gaps Reversal-Kandidaten. Das klingt einfach — und ist es auch, sobald die Klassifikation funktioniert.

Live-Klassifikation: Algorithmus-Skizze.

In der ersten Handelsstunde nach Open lassen sich die meisten Gaps mit Heuristiken sinnvoll klassifizieren. Mein Vorgehen:

# Pseudocode für Live-Klassifikation
def classify_gap(bars, ctx):
    gap_size   = bars.open - bars.prev_close
    gap_atr    = gap_size / ctx.atr20
    pre_vol    = bars.premarket_volume / ctx.avg_premarket_volume
    range_pos  = (bars.prev_close - ctx.range_low_60d) / (ctx.range_high_60d - ctx.range_low_60d)
    trend      = ctx.sma50_slope  # positiv = up

    if abs(gap_atr) < 0.4 and ctx.in_range:
        return 'common'

    if abs(gap_atr) >= 0.8 and ctx.recent_consolidation_days > 5 and pre_vol > 1.5:
        return 'breakaway'

    if abs(gap_atr) >= 0.5 and sign(gap_size) == sign(trend) and ctx.in_trend:
        if ctx.bars_since_trend_start < ctx.median_trend_length * 0.6:
            return 'runaway'
        else:
            return 'possible_exhaustion'

    if abs(gap_atr) >= 1.5 and pre_vol > 3.0 and ctx.bars_since_trend_start > ctx.median_trend_length:
        return 'exhaustion'

    return 'unclear'

Wichtig: „unclear" ist eine valide Klassifikation. Etwa 25–35 % aller Gaps fallen in keine der vier sauberen Kategorien. Diese werden nicht gehandelt — was paradoxerweise einer der größten Edge-Treiber im Live-Trading ist.

Earnings-Gaps vs. Macro-Gaps.

Eine zweite Klassifikationsebene, die parallel zur ersten läuft: Was hat das Gap erzeugt?

Konkrete Setups.

Setup 1: Common-Gap-Fade (Indizes)

Setup 2: Breakaway-Gap-Continuation (Aktien)

Setup 3: Exhaustion-Gap-Fade (Einzelaktien nach Trend)

Meine Praxis.

Ich handle Gap-Strategien differenziert. Auf Index-Futures fahre ich primär Common-Gap-Fade mit klaren ATR-Filtern und engen Risiko-Limits — die Strategie hat in 15 Jahren stabil positiv abgeschnitten, aber ich vergesse keine Sekunde, dass der linke Tail real ist. Bei Einzelaktien rund um Earnings handle ich ausschließlich Breakaway- und Runaway-Setups, niemals Fade. Exhaustion-Gaps trade ich selektiv — sie sind selten, aber wenn sie auftreten und alle Filter passen, gehören sie zu den hochwertigsten Setups, die ich kenne.

Das übergeordnete Prinzip: nicht jedes Gap gleich handeln. Wer das mit Disziplin umsetzt — eine echte Klassifikationspipeline plus die Bereitschaft, in unklaren Fällen schlicht nicht zu handeln — bekommt eine Gap-Strategie, die in der Live-Performance erstaunlich nah am Backtest bleibt. Wer alle Gaps in einen Topf wirft, bekommt eine Strategie, die in 70 % der Märkte funktioniert und in den restlichen 30 % Geld zurückgibt.

Sie wollen eine differenzierte Gap-Klassifikation in Ihr Trading-System bauen — inklusive sauberer Live-Heuristiken statt Lehrbuch-Logik? Erstgespräch buchen — wir bauen den Klassifikator, der auch im Bear-Markt trägt.