Forex Carry-Basket: Zins-Differenzen systematisch ernten.
Carry-Trades sind eine der ältesten Strategien im Forex — und gleichzeitig eine der gefährlichsten, wenn man sie naiv handelt. Wer Carry über einen diversifizierten Basket aufzieht und mit Risikomanagement koppelt, baut sich eine echte Renditequelle, die nur lose mit klassischen Trend- und Mean-Reversion-Strategien korreliert.
Was Carry wirklich ist.
Beim Carry-Trade kaufen Sie die Währung mit dem höheren Leitzins gegen die Währung mit dem niedrigeren Leitzins. Die Zins-Differenz fließt Ihnen als Swap-Punkte täglich aufs Konto. Klassische Konstellation: long AUD/JPY, wenn RBA bei 4,35 % steht und BoJ bei -0,1 %. Die Differenz von ~4,5 % p.a. ist Ihre Brutto-Carry- Rendite.
Theoretisch sollte nach der unbedeckten Zinsparität (UIP) die Hochzinswährung gegen die Niedrigzinswährung abwerten, sodass die Carry-Rendite kompensiert wird. Empirisch tut sie das nicht — zumindest nicht konsistent. Diese Anomalie ist als „Forward Premium Puzzle" bekannt und seit den 1980er Jahren dokumentiert. Sie ist eine der wenigen langfristig stabilen Edge-Quellen im Forex.
Warum Basket statt Einzelpaar.
Ein einzelner Carry-Trade ist gefährlich: 2008 fiel AUD/JPY in zwei Monaten um 35 %. Carry-Trades haben „picking up nickels in front of a steamroller"-Charakter — kleine, stetige Gewinne, gelegentlich brutale Verluste. Diversifikation über mehrere Carry-Paare reduziert diese Tail-Risiken erheblich.
Konkretes Basket-Setup: long die drei Währungen mit den höchsten Zinsen aus einem G10-Universum (typisch USD, AUD, NZD, CAD), short die drei mit den niedrigsten (typisch JPY, CHF, EUR). Gleichgewichtet auf Risiko-Basis (gleicher Vola-Beitrag pro Paar). Monatlich oder quartalsweise rebalancieren.
import pandas as pd
import numpy as np
def carry_basket_weights(rates, vols, n_long=3, n_short=3):
"""
rates: pd.Series mit aktuellen Leitzinsen pro Waehrung.
vols: pd.Series mit annualisierter Volatilitaet pro Waehrung (vs. USD).
Gibt Gewichte pro Waehrung zurueck (Summe Long = 1, Summe Short = -1).
"""
sorted_rates = rates.sort_values(ascending=False)
longs = sorted_rates.head(n_long).index
shorts = sorted_rates.tail(n_short).index
# Risiko-Parity: 1/vola gewichten
long_w = 1.0 / vols[longs]
long_w = long_w / long_w.sum()
short_w = 1.0 / vols[shorts]
short_w = -(short_w / short_w.sum())
weights = pd.concat([long_w, short_w])
return weights
rates = pd.Series({'USD': 5.25, 'EUR': 4.0, 'JPY': 0.1,
'GBP': 5.0, 'AUD': 4.35, 'NZD': 5.5,
'CAD': 4.75, 'CHF': 1.75})
vols = pd.Series({'USD': 0.0, 'EUR': 0.07, 'JPY': 0.10,
'GBP': 0.08, 'AUD': 0.11, 'NZD': 0.12,
'CAD': 0.06, 'CHF': 0.09}).replace(0, 0.07)
w = carry_basket_weights(rates, vols)
print(w)
Risikofilter: VIX, Vol-of-Vol und Drawdown-Trigger.
Carry-Strategien haben einen klaren Achilles-Punkt: Risk-Off-Phasen. Wenn die Volatilität global hochschießt, werden Carry-Positionen schnell entunwickelt. Mindestens drei Filter gehören in einen produktiven Carry-Basket:
- VIX-Filter: bei VIX über 25 Carry-Exposure halbieren, über 35 komplett abbauen.
- FX-Vola-Index: CVIX (Deutsche Bank Currency Vola Index) oder JP Morgan G7 Vola — ähnliches Verhalten wie VIX.
- Drawdown-basiertes De-Risking: Strategie-Equity unter 20-Tage-Hoch um mehr als 3 % → 50 % Reduktion. Unter 5 % → vollständig flat.
Historisch hätten diese Filter die schlimmsten Carry-Crashs (Oktober 2008, August 2015 Yuan-Devaluation, März 2020 Covid) deutlich entschärft — bei einem Performance-Abzug von nur etwa 1–2 % p.a. in ruhigen Phasen. Das ist ein guter Deal.
Swap-Kosten und Broker-Wahl.
In der Theorie ist die Zins-Differenz Ihr Gewinn. In der Praxis kassiert der Broker einen Teil davon als Spread. Bei Retail-Brokern liegt der „Swap-Spread" (Differenz zwischen erhaltenem und gezahltem Swap) oft bei 30–50 % der theoretischen Carry. Bei AUD/JPY mit 4,5 % theoretischer Carry bleiben dann effektiv nur 2,5–3 %.
ECN-Broker mit direktem Bankenzugang liefern bessere Konditionen — typisch 15–25 % Spread. Bei Carry-Strategien ist die Broker-Auswahl strategie-kritisch, anders als bei kurzfristigen Setups. Prüfen Sie historische Swap-Tabellen vor Backtest und Live-Implementation.
Performance-Attribution.
Eine saubere Performance-Attribution trennt Carry-Income von FX-Spot-Bewegung. Ein guter Carry-Basket sollte ca. 60–70 % der Rendite aus Swap-Income beziehen und 30–40 % aus Spot-Bewegung (oder neutral darauf laufen). Wenn Spot-Verluste die Carry- Einnahmen dauerhaft auffressen, ist das Setup fragwürdig.
def attribute_pnl(positions, prices_t0, prices_t1, swap_income):
"""
positions: dict {pair: position_size}
prices_t0, prices_t1: dicts mit Preisen am Anfang/Ende der Periode.
swap_income: dict mit Swap-Einnahmen pro Paar.
Return: {'spot': X, 'carry': Y, 'total': X+Y}
"""
spot_pnl = sum(positions[p] * (prices_t1[p] - prices_t0[p])
for p in positions)
carry_pnl = sum(swap_income[p] for p in positions)
return {'spot': spot_pnl,
'carry': carry_pnl,
'total': spot_pnl + carry_pnl,
'carry_share': carry_pnl / max(abs(spot_pnl + carry_pnl), 1e-9)}
Realistische Erwartung.
Ein gut implementierter G10-Carry-Basket mit Vola-Targeting und Risk-Off-Filtern liefert historisch (1990–2025) ca. 5–8 % p.a. bei Sharpe-Ratios von 0,6–0,9. Maximale Drawdowns liegen um 15–20 %, in 2008 wären sie ohne Filter bei 30 %+ gewesen. Mit Filter im Bereich 8–12 %.
Das klingt bescheiden — und ist es im Vergleich zu Aktienmarkt-Renditen. Aber: die Korrelation zu Aktien ist niedrig, in Bull-Märkten oft sogar leicht negativ. Carry-Basket ist also weniger eine Performance-Maschine, sondern ein Diversifikator in einem Multi-Strategie-Portfolio.
Häufige Fehler bei der Umsetzung.
- Zu viel Hebel: 5:1 oder mehr verwandelt eine 8 %-Strategie schnell in einen Margin-Call-Kandidaten.
- Kein Risk-Off-Filter: 2008 oder Covid ohne Reduktions-Mechanik = potenziell -40 % in 8 Wochen.
- Exoten reinmischen: TRY oder ZAR locken mit 15 %+ Zins, aber Spot-Vola und Politik-Risiko sind tödlich.
- Tägliches Rebalancing: hohe Transaktionskosten zerstören die Edge. Monatlich oder quartalsweise reicht.
- Carry-Index als Benchmark: viele DB- und JPM-Indizes nutzen historische Optimierung, real handelbar sind sie kaum.
Sie wollen Carry als Diversifikator in Ihr Portfolio aufnehmen? Erstgespräch buchen — wir definieren Basket, Filter und Broker-Setup zusammen.