Diagonal-Spreads: die Kombination aus Vertical und Calendar.
Wer Calendar verstanden hat, kommt automatisch zu Diagonal. Unterschiedliche Strikes UND unterschiedliche Laufzeiten — das öffnet die Tür zu PMCC, dem kapital-effizienten Aktien-Ersatz, der zu Recht zur Standard-Income-Strategie geworden ist.
Definition: zwei Achsen der Asymmetrie.
Ein Diagonal-Spread ist eine Optionsposition mit:
- einer Long-Option auf Strike A mit Laufzeit T1 (lang).
- einer Short-Option auf Strike B mit Laufzeit T2 (kurz), wobei
A ≠ BundT1 > T2.
Ist A = B, ist es ein Calendar. Ist T1 = T2, ein
Vertical. Diagonal kombiniert beide Achsen.
PMCC: Poor Man's Covered Call.
Die populärste Variante: ein tief im Geld liegender Long-LEAPS-Call ersetzt die Aktie als Underlying, ein kurzlaufender OTM-Short-Call generiert monatliches Income. Funktioniert ökonomisch fast identisch wie ein klassischer Covered Call, bindet aber nur einen Bruchteil des Kapitals.
Klassisch Covered Call: + 100 Aktien AAPL @ 230 → 23.000 € Kapital - 1 Short Call 240, 30 DTE → +2,80 Prämie PMCC: + 1 LEAPS Call 180, 540 DTE → ~ 5.800 € (Delta ~0.85) - 1 Short Call 240, 30 DTE → +2,80 Prämie Kapital-Reduktion: ~ 75 %
Risk-Profile vs. echtem Covered Call.
PMCC und Covered Call haben sehr ähnliche P&L-Kurven im normalen Bewegungsbereich. Drei wichtige Unterschiede:
- Kein Dividenden-Anspruch: Optionen erhalten keine Dividenden. Bei dividendenstarken Aktien (KO, JNJ, T) ist der Covered Call besser.
- LEAPS-Zeitwert-Verlust: der Long-LEAPS verliert über die Zeit Zeitwert. Über 12 Monate kann das 5–10 % der Position kosten.
- Theta-Verschiebung in der Short: der Short-Call läuft sehr schnell aus — Sie müssen monatlich rollen.
Diagonal Put-Spread: PMCP.
Spiegelbild: ein tief im Geld liegender Long-LEAPS-Put plus kurzlaufender OTM-Short-Put. Funktioniert als kapital-effiziente bärische Position. In Bärenmärkten — oder als Hedge gegen ein Aktien-Long-Portfolio — eine elegante Alternative zu klassischem Short oder Long-Put-Schutz.
Strike-Auswahl: Theta-Vega-Sweet-Spot.
Für PMCC gilt als Faustregel:
- Long-LEAPS: Delta 0,75–0,90. Tiefer im Geld = höherer Aktien-Ersatz-Charakter, weniger Theta-Verlust.
- Short-Call: Delta 0,20–0,30. Out-of-the-money so weit, dass die Wahrscheinlichkeit der Ausübung gering bleibt, aber Prämie noch nennenswert.
- Strike-Differenz: der Short-Strike sollte deutlich höher als der Long-Strike sein, sonst ist Max-Loss nicht definiert.
Vega: PMCC ist Vega-Long, weil die LEAPS-Vega deutlich höher ist als die Short-Vega. Das ist meist gut: bei steigender Vola — etwa in Korrekturen — federt der Long-LEAPS den Drawdown.
Roll-Strategien beim Front-Verfall.
Wird der Short-Call OTM auslaufen: einfach verfallen lassen und neuen Short-Call für nächsten Monat schreiben. Bei ITM-Risiko: rollen, bevor Pin-Risk eskaliert. Ich rolle in der Regel mit 5–7 DTE, wenn der Short-Call noch OTM ist, in den nächsten Monat mit gleichem Delta — kassiere die verbleibende Prämie der alten Position und nehme neue Prämie ein.
Wird der Short-Call ITM, rolle ich „up and out" — höherer Strike, längere Laufzeit — um keine Aktien zugewiesen zu bekommen, die ich gar nicht halte (Phantom-Assignment- Risiko, weil ich ja nur die LEAPS habe, nicht die Aktien selbst).
Konkretes Beispiel: AAPL PMCC.
AAPL Spot: 230,00
Long AAPL 180 Call, 540 DTE → 58,20 (Delta 0,86)
Short AAPL 245 Call, 30 DTE → 2,80 (Delta 0,22)
Net-Debit: 55,40 (5.540 € pro Spread)
Max-Profit: ca. 9,60 bei AAPL ≥ 245 am Short-Verfall
(entspricht ~ 17 % Return in 30 Tagen, theoretisch)
Annualisierter Income-Run (12× rollen):
~ 33 € Prämie pro Jahr (vor Rolls)
vs. 55,40 € Anfangs-Kapital
= ~ 60 % Brutto-Rendite (ohne Aktien-Bewegung)
Plus Aktien-Bewegung über die LEAPS-Delta von 0,86.
Meine Praxis: PMCC als Income-Backbone.
Bei Mandanten-Setups mit moderatem Kapital und mittlerer Risiko-Toleranz ist PMCC für mich ein Standard-Baustein. Es liefert Aktien-ähnlichen Upside-Capture (~85 %) bei einem Drittel des Kapitaleinsatzes, generiert monatliches Income, und das Tail- Risk ist definiert (Net-Debit des LEAPS).
Worauf ich achte: liquide Underlyings mit engen Spreads (AAPL, MSFT, GOOGL, SPY, QQQ), keine Aktien vor unsicheren Earnings, regelmäßiges Re-Balancing der LEAPS (alle 6–9 Monate auf die nächste Laufzeit rollen, bevor Theta-Decay beschleunigt).
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