Crack-Spread: das Profitabilitäts-Maß für Raffinerien handeln.
Eine Raffinerie verdient nicht am Öl, sondern an der Differenz: Crude rein, Gasoline und Heating Oil raus. Diese Differenz heißt Crack-Spread und ist einer der ältesten Spreads im Energiehandel. Über das 3:2:1-Ratio, Saisonalitäten, CME-Implementation — und warum der Markt ein institutionelles Spielfeld bleibt.
Was der Crack-Spread misst.
Der Crack-Spread ist die Differenz zwischen dem Verkaufspreis raffinierter Produkte (Gasoline, Heating Oil/Diesel) und dem Einkaufspreis von Rohöl. Er entspricht der Brutto-Marge einer Raffinerie. Da pro Fass Rohöl typischerweise etwa zwei Fass Gasoline und ein Fass Distillate-Produkte (Diesel, Heizöl, Jet Fuel) entstehen, hat sich das 3:2:1-Ratio als Standard etabliert: drei Fass WTI rein, zwei Fass Gasoline plus ein Fass Heating Oil raus.
Daneben existiert das 5:3:2-Ratio für Raffinerien mit höherem Gasoline-Output, und einfacher das 1:1-Crack (ein Fass Rohöl gegen ein Fass Produkt). Der 3:2:1-Crack ist aber der etablierte Benchmark für Refinery-Margins in den USA.
Rechnung im Detail.
Auf der CME notieren WTI (CL) in USD pro Barrel, RBOB-Gasoline (RB) und ULSD-Heating-Oil (HO) in USD pro Gallone. 42 Gallonen pro Barrel. Die 3:2:1-Crack-Rechnung sieht damit so aus:
# 3:2:1 Crack-Spread (USD/Barrel)
WTI = 78.00 USD/bbl
RBOB = 2.45 USD/gal -> 2.45 * 42 = 102.90 USD/bbl
HeatingOil= 2.80 USD/gal -> 2.80 * 42 = 117.60 USD/bbl
crack_321 = (2 * RBOB_bbl + 1 * HO_bbl) / 3 - WTI
= (2 * 102.90 + 1 * 117.60) / 3 - 78.00
= 107.80 - 78.00
= 29.80 USD/bbl
# Margin ueber gesamten Crude-Korb: ~29.80 USD/Barrel
Saisonalität: Driving-Season vs. Heating-Season.
Der Crack-Spread folgt einer klaren Saisonalität. Im Frühjahr beginnen Raffinerien mit Maintenance-Programmen, gleichzeitig steigt die Gasoline-Nachfrage Richtung Sommer (Driving-Season in den USA). Das treibt das Gasoline-Crack hoch — historisch erreichen die RBOB-WTI-Spreads ihr Maximum im Mai/Juni.
Im Herbst dreht das Bild: Gasoline-Demand sinkt, Heating-Oil-Demand steigt mit dem Winter. Der Heating-Oil-Crack wird relativ stärker. Im Spätwinter normalisiert sich beides wieder.
Diese Muster sind keine Garantie, aber sie sind statistisch robust über Jahrzehnte — getrieben durch echte physische Nachfrage, nicht durch Spekulation.
CME-Implementation: drei Wege.
Variante 1: Synthetic-Crack über die Einzel-Futures.
Klassische Implementation: Long zwei RBOB-Futures, Long ein HO-Future, Short drei CL-Futures. Multipliziert mit den Kontraktgrößen (1 CL = 1000 bbl; 1 RB/HO = 42 000 Gallons = 1 000 bbl) ergibt sich ein exakter 3:2:1-Crack. Nachteil: drei Beine, drei Spread-Risiken, drei Roll-Aktionen.
Variante 2: CME-Crack-Spread-Future.
Die CME listet einen direkten 3:2:1-Crack-Future. Ein Kontrakt entspricht dem kompletten Spread, ein einziger Trade gibt vollständiges Exposure. Liquidität ist allerdings deutlich geringer als bei den Einzel-Komponenten — institutionelle Trader nutzen ihn primär für Roll- und Hedging-Bequemlichkeit, weniger für spekulatives Trading.
Variante 3: 1:1-Crack als vereinfachte Position.
Einfacher und liquider: Long RB minus Long CL (Gasoline-Crack) oder Long HO minus Long CL (Heating-Oil-Crack). Beide werden auch separat von der CME als gelistete Spreads angeboten und haben ordentliche Liquidität. Für direktionale Setups oft ausreichend, da die Saisonalitäten und die Refinery-Margin-Geschichte sich auch in den einzelnen Crack-Spreads wiederfinden.
Hedging für US-Raffinerien.
Der Crack-Spread ist nicht primär ein Spekulations-Instrument — er ist Hedging- Werkzeug für die echte Industrie. Eine Raffinerie kauft Rohöl, raffiniert es über sechs bis acht Wochen und verkauft das Output. In dieser Zeit kann sich die Marge dramatisch verändern. Ein Refiner kann den Crack-Spread auf der CME locken, indem er CL kauft (zukünftiger Einkauf) und gleichzeitig RB und HO verkauft (zukünftiger Verkauf). Damit ist die Marge fixiert.
Dieses Hedging ist ein konstanter Strom an institutionellen Trades, der den Markt mit Tiefe versorgt — und erklärt, warum die meiste Aktivität nicht spekulativ ist.
Speculative Setups: Refinery-Outages.
Wenn eine größere US-Raffinerie ausfällt — durch Hurricane, Brand, geplante Wartung — sinkt das Angebot an Gasoline und Heating Oil. Der Crack-Spread schießt hoch, oft innerhalb von Tagen. Speculative Setups versuchen, diese Bewegungen zu antizipieren: erhöhte Hurricane-Aktivität, Maintenance-Saisons, geopolitische Disruption.
Realistisch ist das ein institutionelles Spiel. Wer ohne tiefes Branchen-Wissen (Refinery-Run-Rates, EIA-Wochenstatistik, Pipeline-Disruptions) handelt, läuft gegen Trader, die diese Daten in Echtzeit verfolgen.
Caveat: institutionell dominiert.
Der Crack-Spread-Markt wird zu einem hohen Anteil von echten Marktteilnehmern getrieben — Raffinerien, Pipeline-Betreiber, integrierte Energiekonzerne. Die spekulative Komponente ist kleiner als bei reinen Aktien-Indizes. Das hat zwei Konsequenzen: erstens sind die Preise informationsdicht (es ist schwer, einen Edge zu finden); zweitens ist die Liquidität auf den weiter entfernten Kontrakten dünn.
Retail-Trader sollten den Crack-Spread daher mit Vorsicht behandeln. Die Mechaniken sind faszinierend, aber der Markt ist nicht designed für kleine Tickets.
Meine Praxis: Crack als Macro-Indikator.
Ich handle den Crack-Spread selten direkt. Aber ich beobachte ihn als Macro-Indikator. Ein stark fallender 3:2:1-Crack signalisiert oft, dass die Endnachfrage nach raffinierten Produkten schwächer wird — ein Frühindikator für Konsumschwäche und Industrieaktivität. Steigt der Crack synchron mit Crude, ist das ein robustes Signal für anziehende Nachfrage.
Konkret nutze ich den Spread als Filter für Energie-Aktien-Long-Setups: ist der Crack-Spread klar im Aufwärtstrend, bestätigt das die Profitabilität der Sektor- Komponenten. Liegt er unter Mehrjahres-Mittelwerten, bin ich mit Equity-Longs in Refinern (z. B. VLO, PSX) skeptisch — egal wie attraktiv die Multiples aussehen.
Der Crack-Spread ist eines dieser Werkzeuge, die für einen Retail-Trader selten direkt handelbar sind, aber als Lesehilfe für die übergeordnete Marktstruktur extrem nützlich. Wer Energie-Märkte verstehen will, sollte den Spread in jedem Wochen-Update auf dem Schirm haben.
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