Bund-Future & Yieldcurve: Steepener, Flattener, Butterfly.
Der Bund-Future (FGBL) ist das wichtigste Zinsinstrument in Europa und einer der liquidesten Futures der Welt. Wer ihn isoliert handelt, lässt den eigentlichen Hebel liegen — denn der wahre Edge entsteht in der Kombination mit anderen Punkten der Zinskurve. Hier geht es um Steepener, Flattener und Butterfly-Spreads über Schatz, Bobl und Bund.
Die vier Bundesanleihen-Futures.
Die Eurex listet vier Anleihen-Futures auf deutsche Staatsanleihen, jeder mit einer anderen Restlaufzeit. Zusammen bilden sie die Zinskurve in vier diskreten Punkten ab:
- Schatz (FGBS): 1,75–2,25 Jahre Restlaufzeit. Reagiert primär auf kurzfristige EZB-Erwartungen.
- Bobl (FGBM): 4,5–5,5 Jahre. Sensibler für mittelfristige Wachstums- und Inflationserwartungen.
- Bund (FGBL): 8,5–10,5 Jahre. Der Benchmark — Hauptträger der Risikoprämie für längeres Laufzeitrisiko.
- Buxl (FGBX): 24–35 Jahre. Sehr lang, extrem zinssensitiv, dünn gehandelt im Vergleich zum Bund.
Jeder dieser Kontrakte hat eigene Margins, eigene Liquiditätsprofile und reagiert unterschiedlich auf Makro-Ereignisse. Wer Spread-Strategien fährt, arbeitet typischerweise mit Kombinationen aus Schatz/Bobl/Bund oder Bobl/Bund/Buxl.
Was ein Steepener wirklich ist.
Ein Steepener (Versteilerung) ist eine Position, die profitiert, wenn die Zinskurve steiler wird — also wenn die Renditen am langen Ende stärker steigen als am kurzen Ende (oder am kurzen Ende stärker fallen). Umgekehrt der Flattener.
In Bund-Futures gedacht: Steepener heißt long Schatz, short Bund. Wenn die Zinskurve steiler wird, steigt der Schatz-Preis stärker als der Bund-Preis fällt — oder umgekehrt. Wichtig: die Positionsgrößen müssen Duration-gewichtet sein. Wer einen Schatz gegen einen Bund tradet, hat keinen Steepener, sondern eine Mischung aus Steepener und Duration-Direction.
def duration_neutral_ratio(
dv01_short_leg: float, # DV01 pro Kontrakt am kurzen Ende (Schatz)
dv01_long_leg: float, # DV01 pro Kontrakt am langen Ende (Bund)
) -> float:
"""
Liefert das Verhaeltnis: wie viele Kontrakte des kurzen Endes
pro Kontrakt am langen Ende, damit Duration neutral ist.
DV01 = Wertaenderung in EUR bei 1 Basispunkt Zinsaenderung.
"""
return dv01_long_leg / dv01_short_leg
# Beispiel: Schatz DV01 ca. 20 EUR, Bund DV01 ca. 90 EUR pro Kontrakt
ratio = duration_neutral_ratio(20.0, 90.0)
print(f"Pro 1 Bund-Kontrakt: {ratio:.1f} Schatz-Kontrakte") # ca. 4.5
Das DV01 (Dollar Value of 01) eines Future-Kontrakts ergibt sich aus dem Cheapest-to-Deliver (CTD) der zugrundeliegenden Anleihe. Beim Schatz aktuell etwa 20 EUR pro Basispunkt, beim Bund etwa 90 EUR. Wer Spreads handelt, muss diese Zahlen regelmäßig aus den aktuellen CTD-Daten neu berechnen — sie verändern sich mit jedem Roll.
Wann Steepener funktionieren.
Aus zehn Jahren Eurozonen-Zinsen lässt sich ein Muster destillieren:
- Beginnender Zinszyklus nach unten: die EZB signalisiert Lockerung. Das kurze Ende fällt schnell, das lange Ende langsamer. Steepener funktioniert.
- Spätzyklus Inflation: das lange Ende preist Inflation ein, das kurze ist verankert durch die EZB. Bear-Steepener — die Kurve versteilert sich, während alle Renditen steigen.
- Hawkish-Pivot: das kurze Ende springt schnell, das lange Ende reagiert verzögert. Flattener funktioniert — also Gegenposition.
Eine systematische Steepener/Flattener-Strategie braucht also einen Regime-Filter, der mindestens auf EZB-Erwartungen und Inflations-Surprises basiert. Wer das ohne diesen Kontext systematisiert, kommt am Ende auf Sharpe nahe null.
Butterfly: drei Punkte der Kurve.
Ein Butterfly handelt eine Konvexitätsverschiebung der Kurve — sie wird in der Mitte stärker oder schwächer als an den Enden. Klassische 2-5-10-Butterfly: long am 5-Jahres- Punkt (Bobl), short am 2-Jahres-Punkt (Schatz) und am 10-Jahres-Punkt (Bund), in Duration-neutraler Gewichtung.
Warum interessant: Butterflys sind oft mean-reverting. Wenn der Bobl gegenüber Schatz und Bund auseinanderläuft, gibt es einen statistischen Druck zur Reversion, weil Marktteilnehmer auf der Kurve glattstellen, sobald die Abweichung über historische Z-Scores hinausgeht. Wer den Bund-Bobl-Schatz-Butterfly als Z-Score-System handelt, hat eine der wenigen wirklich mean-reverting Strategien im Eurozonen-Fixed-Income-Bereich.
import pandas as pd
import numpy as np
def butterfly_zscore(
schatz: pd.Series,
bobl: pd.Series,
bund: pd.Series,
weights: tuple = (1.0, -2.0, 1.0),
window: int = 60,
) -> pd.Series:
"""
Z-Score des 2-5-10-Butterfly aus den Future-Preisen.
Annahme: weights sind grob duration-gewichtet.
"""
fly = weights[0] * schatz + weights[1] * bobl + weights[2] * bund
mean = fly.rolling(window).mean()
std = fly.rolling(window).std()
return (fly - mean) / std
def butterfly_signal(z: pd.Series, entry: float = 2.0, exit: float = 0.5) -> pd.Series:
"""
Long Butterfly (long Wings, short Belly) wenn z <= -entry.
Short Butterfly wenn z >= entry. Exit bei |z| < exit.
"""
signal = pd.Series(0, index=z.index, dtype=float)
pos = 0
for t, val in z.items():
if pos == 0:
if val <= -entry:
pos = 1
elif val >= entry:
pos = -1
elif abs(val) < exit:
pos = 0
signal.loc[t] = pos
return signal
Risiko: was Anfängern in Fixed-Income-Spreads passiert.
Zinsspreads wirken auf den ersten Blick „harmlos" — die Duration ist neutral, das Direction-Risiko gering. Das stimmt im normalen Markt. In Stressphasen (2011 Eurokrise, März 2020 Pandemie-Schock, 2022 Inflations-Repricing) sind aber genau diese Spreads aufgerissen, weil Liquidität verschwunden ist und das Funding-Risiko zugenommen hat. Wer Spreads gross gehebelt hält, kann an einem einzelnen Tag mehr Geld verlieren als an einer Direction-Position in derselben Größenordnung.
Mein Rahmen: Spread-Positionen werden mit der gleichen Risiko-pro-Trade-Logik gesizt wie Direction-Trades. Stops kommen aus historischer Spread-Vol, nicht aus „klingt klein".
Die EZB als externer Schock.
EZB-Tage zerlegen technische Bund-Strategien zuverlässig. Mein Vorgehen: 24 Stunden vor jeder geplanten EZB-Pressekonferenz keine neuen Bund-Spread-Positionen, bestehende Positionen werden auf 50 % reduziert. Das kostet Trefferquote im Backtest, schützt aber vor einem Schwanz-Risiko, das durch Backtests systematisch unterschätzt wird.
Datenquellen und Praxis.
Bund-Future-Daten sind über die Eurex und alle institutionellen Datendienste verfügbar. Für CTD-Berechnungen brauchen Sie aktuelle Anleihen-Daten und Conversion-Factors — Bloomberg, Refinitiv oder direkt der Eurex-Datenfeed. Für systematische Strategien sind Tagesdaten meist ausreichend. Wer Intraday handelt, sollte Tick-Daten von Refinitiv oder einem ähnlich qualitativ hochwertigen Anbieter beziehen — die Volumina sind hoch genug, dass Tick-Granularität echten Mehrwert bringt.
Live-Handel über IBKR oder einen direkten Eurex-Zugang. Kommissionen sind moderat (typisch 1–2 EUR pro Kontrakt), Spreads im Front-Month meist ein einzelner Tick. Margins für den Bund liegen aktuell bei ca. 2.000–3.000 EUR Overnight.
Sie wollen Zinsstrategien systematisch im Portfolio einsetzen — als Diversifikation, nicht als Spekulation? Erstgespräch buchen — wir schauen, welcher Spread zu Ihrem Risiko-Profil passt.